Obsbot Tiny 3 bringt KI ins Meeting
Die Obsbot Tiny 3 kombiniert 4K-Sensorik, KI-Tracking und leistungsstarke Mikrofone in einem kompakten Gehäuse. Laut Hersteller adressiert die Kamera professionelle Hybrid-Meetings, Streaming und Schulungsszenarien mit hohen Anforderungen an Bild- und Audioqualität. Wir haben sie uns näher angesehen.
Immer mehr Unternehmen holen ihre Mitarbeitenden zurück auf die Büroflächen. Dort zeigt sich jedoch häufig, dass vorhandene Meeting-Setups technisch in die Jahre gekommen sind und den heutigen Anforderungen an hybride Zusammenarbeit nur bedingt standhalten. Gleichzeitig sind auch im Homeoffice die Erwartungen an professionelle Online-Meetings deutlich gestiegen: Eine automatische Optimierung von Bild und Ton per KI gehört inzwischen quasi zum Standard. Und eine hohe Qualität des Audiosignals ist Grundvoraussetzung für eine hohe Erkennung von Sprache durch KI-Systeme.
Obsbot positioniert sich genau in diesem Umfeld und bietet ein breites Portfolio moderner Kamera- und Trackinglösungen an, die sich sowohl für den professionellen Einsatz im Unternehmen als auch für das mobile Arbeiten eignen. Ein genauer Blick auf die breite Modellpalette lohnt sich daher in jedem Fall.
Obsbot
Obsbot ist ein vergleichsweises junges Unternehmen im Bereich intelligenter Kamera- und Trackinglösungen, das sich in den vergangenen Jahren mit innovativen Produkten für Content Creator, Videokonferenzen und professionelle Anwendungen etabliert hat. Der Fokus liegt klar auf der Kombination aus hochwertiger Optik und KI-gestützter Automatisierung. Besonders die präzise Personenverfolgung, automatische Bildausschnitte und adaptive Steuerungsfunktionen gehören zu den Kernkompetenzen des Herstellers.
Mit Modellen wie der Tiny-Serie adressiert Obsbot sowohl den professionellen Business-Sektor als auch Anwender, die im Alltag eine zuverlässige, selbstständig arbeitende Kamera benötigen. Die Geräte zeichnen sich durch kompakte Bauformen, hohe Flexibilität und eine starke Ausrichtung auf moderne Remote-Work-Szenarien, aber auch für Streaming-Anwendungen aus. Ob die neuste Webcam Obsbot Tiny 3 diesen Anforderungen gerecht wird, lesen Sie im Folgenden.
Die Kamera
Bei unserem Test haben wir uns für das Topmodell Tiny 3 entschieden, das neben der Tiny 3 Lite erst diesen Januar vorgestellt wurde. Die Kamera ist nicht mit einem Wort zu beschreiben, sie ist Web-, Aktions-, Überwachungs- und Spezialkamera in einem (sehr kompakten) Gehäuse. Wer das Vorgängermodell Tiny 2 kennt, wird die kompakte Bauform bei gleichzeitiger hochwertiger Technik zu schätzen wissen. Die neue Tiny 3 – liebevoll unter Bezug auf die Flagship-Technologie auch „Titan“ genannt – ist hingegen um fast 50 Prozent kleiner und um über 30 Prozent leichter (63 Gramm). Mit einer Kantenlänge von 37 x 37 Millimetern und einer Bauhöhe von 49 Millimetern zeichnet sich die Kamera durch ihre außergewöhnlich kompakte Bauweise aus, wodurch sie sich ideal für den flexiblen Einsatz an wechselnden Einsatzorten eignet.
Mitgeliefert werden der Bildschirmhalter, ein USB-C-Kabel inklusive USB-A-Adapter und eine leichte und stabile Transporttasche. Auch wenn die kostenlose Software „Obsbot Center“ umfangreiche Anpassungen ermöglicht, so kann die Webcam sofort und ohne weitere Installationen verwendet werden.
Start
Nach der Platzierung der Tiny 3, in der Regel auf der Oberseite des Monitors mit dem beiliegenden magnetischen Halter und dem Verbinden des USB-Kabels, kann es sofort losgehen. Alternativ kann die Kamera auch auf dem Tisch oder einem Stativ platziert werden.
Die Tiny 3 ist für alle gängigen Plattformen geeignet, zum Beispiel für Teams, Zoom, Facebook Live, YouTube und Twitch, um nur einige zu nennen. Wem die Standard-Einstellungen genügen, kann auf die Installation der kostenlosen Software Obsbot Center verzichten. Das wäre allerdings ein Verlust von vielfältigen und großartigen Funktionen, die diese kleine Kamera besitzt. Die Bildeinstellung ist jedoch bereits in der Grundfunktion in der Lage, mit fast allen Beleuchtungssituationen zurechtzukommen. Dazu trägt die große ISO-Spannweite (100 bis 12.800) bei, die nur bei extremem Gegenlicht oder sehr schlechter Grundbeleuchtung entsprechend angepasst werden sollte.
Im Auslieferungszustand richtet die AI-Technik den Blick auf eine einzelne Person aus, nur für eine Gruppenansicht sollte dies in der Software geändert werden. Auch das Audio-Signal, welches durch die drei Mikrofone ein überragendes Testergebnis ergab, arbeitet bereits in der Grundeinstellung für die meisten Anforderungen bereits ohne Anpassung perfekt.
Tipp
Die über die Webseite oder die Software erreichbaren Tutorials machen die Nutzung des Systems um einiges leichter.
Video
Trotz der geringen Baugröße verfügt die Tiny über einen großen CMOS-Bildsensor mit 1/1,28 Zoll und 50 Megapixel. Die maximale Videoauflösung liegt bei 4K mit 30 fps beziehungsweise 1080P mit 120fps. Die Bildwiederholungsrate hat sich somit bei HD im Vergleich zur Tiny 2 verdoppelt, der Sensor vergrößerte sich um 37 Prozent. Dies ermöglicht noch hochwertigere Slow-Motion-Aufzeichnungen ohne Wischeffekte und eine höhere Bilddynamik als zuvor. Ergänzt wird dies mit einem 4-fach Digitalzoom, Autofocus bereits ab 14 cm und einem Blickwinkel von 74 (16:9) und 82,4 Grad (4:3). Die Bildqualität ist entsprechend hochwertig und auch bei geringer oder einem Mix aus Kunst- und Tageslicht als brillant zu bezeichnen.
Wer aktuell für seine Videocasts oder Streamings eine Spiegelreflexkamera nutzt, kann sich mit einem Wechsel auf die Tiny 3 beschäftigen und damit sein Setup erheblich verkleinern. Dafür stehen Horizont- und Porträt-Format zur Verfügung.
Als weitere Funktion bietet die Tiny 3 mit HDR (High Dynamic Range) einen sehr hohen Dynamikumfang, bei dem sehr helle und dunkle Bildbereiche in exzellenter Qualität dargestellt werden. Gerade in Räumen mit schwierigen Lichtverhältnissen wirken Farben dadurch ausgewogener. Im Test fiel uns auf, dass aktiviertes HDR und eine zugeschaltete Hintergrundunschärfe oder der Einsatz von reiner Kunstlichtbeleuchtung zu einem schlechteren Ergebnis führten als ohne. Zudem ist bei der HDR-Nutzung die Bildwiederholungsrate auf 60 fps begrenzt. Hier gilt es, individuell die perfekte Einstellung zu wählen.
Die Obsbot Tiny 3 ist mit einem 2-Achsen-Gimbal und einem sehr leisen Motor ausgestattet. Der steuerbare Drehbereich für das Schwenken liegt bei ±130° und für das Neigen bei 32° bis -60°. Bereits in der Grundfunktion kann zwischen Einzel-Porträt und Gruppenverfolgung gewählt werden. Als weitere Option lässt sich der Erfassungsbereich sehr exakt einschränken, um z.B. Personen hinter Glasscheiben von der Kameraerfassung auszunehmen. Die Verfolgungsgeschwindigkeit lässt sich in drei Stufen anpassen – eine Funktion, die wir eher von großen Meeting-Bars kennen.
Mit dem Whiteboard-Modus lässt sich die Darstellung und Lesbarkeit von Text in Online-Meetings verbessern, was zu einer entspannteren Wahrnehmung von Inhalten führt. Dabei wird der Text vergrößert und die Trapezkorrektur automatisch durchgeführt.
Die Ausgabe der KI-Funktionen erfolgt, wie üblich, über die „virtuelle“ Kamera. Hier gab es sowohl auf PCs als auch auf MAC-Systemen noch ein paar Startschwierigkeiten. Diese sollten jedoch dem frühen Softwarestand bei unserem Test geschuldet sein und zeitnah behoben werden können. In der Software bieten sich viele weitere Einstellungen und Funktionen an, siehe auch Abschnitt KI/Software.
Tabelle zur Obsbot Tiny 3 inkl. Leistungsumfang und Bewertung
Audio
Bisher galt die Empfehlung: „Verwende nie die Mikrofone einer Webcam, wirklich nie.“ Dies hat sich mit der Tiny 3 vollständig überholt. Beeindruckende Klangerlebnisse ergaben die Tests mit den drei integrierten Mikrofonen, davon ein omnidirektionales und zwei gerichtete Mikrofone.
Der Frequenzbereich startet bei 50 Herz und endet im oberen Bereich erst bei 32 MHz. Dies übertrifft den reinen Sprachbereich deutlich und ist somit auch für hochwertige Audio- und Musik-Übertragungen bestens geeignet. Dazu stehen neben dem Universal-Modus noch die Modi „Raumklang“, intelligenter Omni-Modus, Richt-Charakteristik und eine Stereo-Richtfunktion zur Verfügung.
In unserem Test erzielten wir in einer simulierten Lärmumgebung von über 70 dB ein einwandfreies und sauberes Sprachsignal, welches wir sonst nur von hochwertigen großen Videobars kennen. Wer eine Kamera für das Streaming von hochwertigen Audio-Inhalten sucht, liegt hier demnach genau richtig.
Dem nicht genug bietet Obsbot für die Tiny 3 ein kleines schurloses Ansteckmikrofon (VOX SE) an, mit dem ein Sprecher auch weiter von der Kamera entfernt ein konstant hochwertiges Sprachsignal erzeugen kann. Dies ist sowohl für den Meeting- als auch den Schulungsbereich die Ideallösung.
KI/Software
Mit Obsbot Center bietet das Unternehmen eine fortgeschrittene Software für Windows- und Mac-Benutzer. Diese ermöglicht die Durchführung einer Vielzahl von fortgeschrittenen Kamerafunktionen, darunter die Steuerung der Verfolgung des Schwenk-Neige-Systems, die Aus- oder Abwahl von Tracking-Zielen sowie die Konfiguration von speicherbaren Voreinstellungen.
Grundsätzlich kann der Anwender zwischen dem „Lite“- und dem „Pro“-Modus wählen. Für Standard-Anwendungen genügt die Lite-Version der Software vollkommen aus.
Für Einsteiger hat Obsbot die Anleitung und diverse Tutorials in die Verwaltungssoftware integriert. So finden sich auch Erstnutzer einer Obsbot Tiny 3 schnell und gut zurecht.
Einen umfangreichen Teil der Software hat der Hersteller der Porträt-, Zonen- und Objektverfolgung gewidmet. Hier findet der professionelle Anwender zahlreiche Einstellmöglichkeiten um beweglichen Motiven automatisiert zu folgen beziehungsweise nicht relevante Bereiche auszuklammern.
Unterstützt wird dies durch zahlreiche KI-Funktionen. Dies hilft Content-Creatoren, die allein produzieren erheblich weiter. Ein Beispiel: Wer einen Kochkurs produziert, wird die Verfolgung der Hand zu schätzen wissen. Hinzu kommt die Steuerung per Sprache oder Handsignal, was in Kombination mit der automatischen KI eine Vielzahl von Szenarien erlaubt, die sonst nur mit einem Aufnahmeteam zu bewältigen wären.
Nicht neu, aber praktisch ist der Teleprompter. Wird er ausgewählt, erscheint auf dem eigenen Bildschirm ein zuvor ausgewählter Text von unten nach oben, wobei die Geschwindigkeit gewählt werden kann. Dies vereinfacht die Aufzeichnung von Schulungsvideos, wenn es auf die konkrete Wortwahl ankommt.
Großen Wert gelegt hat der Hersteller auch auf den Bereich Retusche. Hier kann der Anwender zwischen verschiedenen hinterlegten Filtern für die Anpassung des Hintergrunds, von Personen allgemein, aber auch speziell für das Gesicht, den Körper oder einem Make-up wählen. Vom Lidschatten bis zur Augenfarbe, der Kopfform oder dem Lippenstift kann so ziemlich alles verändert werden, was dem Nutzer in den Sinn kommt. Diese Anpassungen werden dann für das Live-Bild übernommen. Willkommen in der schönen bunten KI-Welt.
Im Test am häufigsten genutzt haben wir die Sprachverfolgung. Hier wird die Person, die gerade spricht, automatisch ins Bildzentrum genommen. Ideal für Meetings mit mehreren Personen an einem Tisch.
Ein weiteres Highlight ist die KI-Augenverfolgung. Dabei schaut der Nutzer virtuell immer in die Kamera, auch wenn sich der Blick gerade auf etwas anderes fokussiert. Es gibt weitere interessante KI-Funktionen, wie PIP und Overlay, das würde jedoch den Rahmen hier sprengen.
Und hier liegt die vielleicht einzig wirkliche Schwäche: Die starke Software-Abhängigkeit erfordert eine gründliche Einarbeitung, sofern es über die Grundfunktionen hinausgeht. Aber wer will schon auf die spannenden KI-Möglichkeiten des Systems verzichten?
Meetings
Die Grundfunktion einer Webcam ist der Einsatz im Meeting, der genutzte Client wird meist vom Unternehmen vorgegeben. Hier spielt die Tiny bereits ihr großes qualitatives Potenzial aus. Mit der optionalen und kostenpflichtigen Zusatzfunktion RTC (Remote Interaction) lässt sich die Kamera auch aus der Ferne steuern und ein Live-Streaming über das Web starten, ohne dass dazu eine UC-Software notwendig wäre.
Der Host, also der Besitzer der Tiny 3, erstellt eine Session über Obsbot Center und sendet den Link an den externen Nutzer. Der Echtzeit-Audio- und Videoübertragungsdienst bietet eine minimale Latenz von unter 200 ms für ein verzögerungsfreies Erlebnis und einen guten LIP-Sync. Er kombiniert Echtzeitkommunikation, Fernsteuerung und KI-Tracking in einem einzigen integrierten Dienst. Nutzer können das Video ansehen, den Winkel einstellen und sprechen, als wären Sie direkt neben der Kamera.
Die Funktion kann als einzelnes Meeting oder als dauerhafte Funktion, zum Beispiel zur Überwachung von Schulungsräumen, Studios oder sicherheitsrelevanten Bereichen genutzt werden. Dabei können bis zu drei verschiedene Streams verwaltet werden.
Optionen
Für kommende Updates bereits angekündigt sind die beiden Funktionen Obsbot Avatar und Virtual Voice zur Echtzeit-Erstellung virtueller Inhalte in die Live-Übertragung. Diese sind für kreative Streaming-Optionen gedacht, so können komplett durch die KI erzeugte „Darsteller“ mit gewünschter Stimme erstellt werden. Die Funktionen haben jedoch entsprechend hohe Anforderungen an die Hardware (PC/MAC).
Wer die vielfältigen Funktionen der Kamera aus einer gewissen Entfernung ändern und nicht auf Gesten- oder Sprachsteuerung zurückgreifen möchte, kann die optionale Fernbedienung Tiny Smart Remote 2 nutzen. Damit kann man auf bis zu vier verschiedene Kameras zugreifen und zum Beispiel Zoom, Blickrichtung und die automatische Verfolgung anpassen. Ebenfalls enthalten sind ein Präsentationsklicker zum Weiterschalten von PowerPoint-Seiten sowie ein Laserpointer mit großer kreisrunder Darstellung. Uns fiel auf, dass die Verbindung über den Rechner und die aktiv laufende Obsbot-Center Software abläuft, direkt empfangen kann die Kamera die Steuerung nicht.
Wem das immer noch nicht genügt, kann mit der Obsbot OSC-Funktion eine Fernsteuerung über das Netzwerkprotokoll Open Sound Control (OSC) nutzen. Sie dient dazu, Funktionen wie KI-Tracking, Zoom, Gimbal-Bewegungen und Voreinstellungen (Presets) in Echtzeit über externe Software (zum Beispiel Stream Deck, TouchOSC) zu steuern.
Vorhandene Updates können entweder aus der Cloud direkt eingespielt werden oder wenn die Unternehmensvorgabe dies nicht zulässt, über die manuelle Einspielung vor Ort. Die Verfügbarkeit wird in Obsbot Center als Laufband angezeigt.
Fazit
Mit der Obsbot Tiny 3 hat der Hersteller zahlreiche Funktionen gegenüber dem Vorgängermodell weiterentwickelt. Ergänzt wird die Lösung durch ein breites Spektrum an KI-gestützten Features, die den professionellen Einsatz in Meeting- und Produktionsumgebungen unterstützen.