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Videoüberwachung und der 4K-Hype

Hochauflösend ist nur die halbe Miete

Der Wettstreit um immer mehr Megapixel gipfelt derzeit im 4K-Hype. Die Vorteile der High End-Kameras, die gestochen scharfe Bilder liefern, liegen auf der Hand – die Nachteile allerdings auch. Denn die neuen Modelle sind wahre Datenfresser. Doch es gibt auch andere Lösungen, welche die Bedürfnisse der Nutzer befriedigen können.

Claudia Rayling, Redakteurin funkschau/channelXpert • 2.3.2016 • ca. 2:05 Min

© by-studio

„Bei all dem Hype um die neuen Megapixel- und 4K-Kameras sollte man nicht vergessen, dass eine hohe Auflösung allein nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann“, meint Dieter Dallmeier, Gründer und CEO beim Videoüberwachungsspezialisten Dallmeier. Die Nebeneffekte vieler Megapixel auf einem Single-Chip äußern sich in Bezug auf Lichtempfindlichkeit, Objektivqualität, Bildrate und Bandbreite. „Entscheidend ist nicht allein die Auflösung, sondern wie viele Pixel pro Meter erreicht werden“, erklärt Dallmeier. „Zum Beobachten braucht man 65 Pixel/m, zum Erkennen bekannter Personen 125 Pixel/m und zum Identifizieren unbekannter Personen sind 250 Pixel/m notwendig – egal in welcher Entfernung sich die Person befindet. Genau das ist die Herausforderung und das, was Planungssicherheit gibt.“ Das Problem: Die Angabe der Megapixel ist ein besseres Argument im Verkauf als die Angabe Pix/m, auch wenn kein Händler dafür garantieren kann, dass sich das Produkt an den individuellen Kundenbedürfnissen orientiert. Dabei ist der Grund für die Anschaffung einer Videoüberwachungslösung immer derselbe: Der Kunde möchte die Bedrohung auf den Bewegtbildern einwandfrei identifizieren – unabhängig davon, in welchem Bereich sich die Szenerie befindet. „Während Megapixel-Kameras im Nahbereich sicherlich noch gute Ergebnisse liefern, nehmen die Pixel pro Meter bei Single-Sensor-Kameras mit zunehmender Entfernung zum Kamerastandort kontinuierlich ab – bis irgendwann keine brauchbaren Bilder mehr erreicht werden“, gibt der CEO zu bedenken.

Mit der „Multifocal-Sensortechnologie“ lässt sich Dallmeier nicht auf einen Wettstreit um Megapixel ein, dennoch soll das Problem der Auflösung und der lückenlosen Überwachung gelöst werden. „Wenn der Kunde eine Person bis 180 Meter Entfernung erkennen will, werden dafür 125 Pix/m benötigt. Wie viele Megapixel die Kamera tatsächlich hat, ist dem Kunden egal. Wichtig ist nur, dass auf die gewünschte Entfernung mindestens 125 Pix/m erreicht werden.“ Diesen Ansatz verfolge man mit der Multifocal-Sensortechnologie, indem im Gegensatz zu Singlesensor-Kameras mehrere Objektive mit unterschiedlichen Brennweiten zum Einsatz kämen. „Durch diese patentierte Technologie können große Flächen und Strecken lückenlos überwacht werden – und das in Echtzeit bei gleichbleibender Bildauflösung und Schärfentiefe“, verspricht Dallmeier.

Ein weiterer Vorteil laut dem CEO: Da nur ein einziger Installationspunkt notwendig ist, soll nicht nur eine kosteneffiziente Lösung geschaffen werden, da Einsparungen sowohl bei der Anzahl der erforderlichen Kameras als auch bei der notwendigen Infrastruktur – Masten, Kabel etc. – möglich sind. Mithilfe der Technologie könnten sich Lösungsansätze für bislang nicht realisierbare Projekte, die in Sachen lückenloser Absicherung großer Flächen oder Strecken auf ihre Grenzen gestoßen waren, ergeben – nach Schätzungen von Dallmeier sind das immerhin rund 30 bis 40 Prozent der nicht realisierbaren Projekte.

Durch die Multifocal-Sensortechnologie sollen sich neue Möglichkeiten für Systemhäuser, Planer und Errichter ergeben. Allerdings gibt Dallmeier zu bedenken, dass sich der Markt verändert hat: „Das Kernthema der Videosicherheit hat sich gewandelt. Weg von bloßer Überwachung hin zu Prozessoptimierung und Prozesssteuerung durch deutlichen Informationsgewinn mithilfe intelligenter und analytischer Videolösungen. Der Kunde will kein einzelnes Produkt mehr kaufen, sondern eine ganzheitliche Lösung.“

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