Quantencomputing: Hohe Erwartungen, wenig Initiative
Während zwei Drittel der Unternehmen das Quantencomputing als Riesenchance begreifen, wagt kaum jemand den ersten Schritt. Der Mangel an Fachkräften und fehlendes Know-how bremsen die Technologie-Wende aus.
Die Theorie klingt vielversprechend, doch die Praxis stockt: Laut dem neuen Studienbericht „Quantencomputing in der deutschen Wirtschaft 2026“ des Digitalverbands Bitkom ist die Relevanz der Technologie unbestritten: Die deutsche Wirtschaft sieht Quantencomputing überwiegend als wichtige Zukunftstechnologie und Chance für das eigene Unternehmen, doch die große Mehrheit treibt das Thema noch nicht aktiv voran und wartet erst einmal ab.
Große Erwartungen, wenig Engagement
Obwohl 67 Prozent der Firmen mit mehr als 100 Beschäftigten das Potenzial für das eigene Geschäftsmodell sehen, herrscht kollektives Zögern. Fast zwei Drittel (64 Prozent) wollen erst einmal beobachten, welche Erfahrungen andere sammeln, bevor sie selbst investieren. Lediglich 8 Prozent beschäftigen sich aktuell intensiv mit der Materie. Immerhin 42 Prozent planen einen Einstieg oder können ihn sich zumindest vorstellen.
Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst warnt vor dieser Passivität: „Quantencomputing hat das Potenzial, ganze Branchen zu verändern – von der Logistik bis zur Medikamentenentwicklung. Es lohnt sich, frühzeitig Kompetenzen aufzubauen.“
Deutschland im internationalen Hintertreffen
Beim Blick auf die Weltkarte schwindet das Selbstbewusstsein. Nur 3 Prozent der Befragten sehen Deutschland weltweit an der Spitze. Die unangefochtenen Spitzenreiter sind aus Sicht der Wirtschaft die USA (32 Prozent), gefolgt von China und Japan. Wintergerst sieht hier dringenden Handlungsbedarf: Europa sei zwar stark in der Forschung, schwächele aber massiv dabei, wissenschaftliche Erkenntnisse in marktfähige Anwendungen zu übersetzen. „Hochentwickelte Fähigkeiten im Quantencomputing sind künftig eine Grundvoraussetzung für digitale Souveränität“, so der Bitkom-Präsident.
Die Angst vor dem „Quanten-Hack“
Ein zweischneidiges Schwert ist die IT-Sicherheit. Zwar verspricht die Technologie enorme Rechenvorteile, doch gleichzeitig könnten Quantencomputer heutige Verschlüsselungsmethoden mühelos knacken. Das Gefahrenbewusstsein ist hoch,denn 94 Prozent sehen ein Risiko für ihre IT-Sicherheit. Trotz dieser Sorge hat ein Drittel der interessierten Unternehmen noch keinerlei Schutzmaßnahmen ergriffen. Nur 29 Prozent arbeiten bereits an der Umstellung auf quantensichere Verfahren.
Hürdenlauf: Was den Fortschritt blockiert
Warum geht es nicht voran? Die Liste der Hindernisse ist lang, wird aber von einem altbekannten Problem angeführt: Personalmangel.
- Personal & Know-how: 65 Prozent fehlen die Fachkräfte; 54 Prozent mangelt es an technischem Wissen.
- Regulierung & Marktreife: Unklare rechtliche Vorgaben und Zweifel an der Marktreife bremsen jeweils 61 Prozent der Firmen.
- Infrastruktur: Vielen fehlt der Zugang zu Testumgebungen oder schlicht ein klarer Überblick über den Markt.
Der Ruf nach der Praxis
Die Wirtschaft fordert nun konkrete Unterstützung statt theoretischer Konzepte. Ganz oben auf der Wunschliste stehen die finanzielle Förderung von Pilotprojekten (69 Prozent) und ein vereinfachter Zugang zu Quantenplattformen via Cloud (67 Prozent). Die Unternehmen suchen nicht nach „hochtrabenden Visionen“, sondern nach handfesten Einstiegshilfen und praxisnahen Anwendungsbeispielen.
AIDAQ-Summit in Berlin
Am 22. und 23. September versammelt der AIDAQ-Summit („AI, Data und Quantum“) des Bitkom über 2.500 Entscheider aus Politik, Wirtschaft und Forschung im bcc Berlin. Unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) diskutieren mehr als 200 Speaker in 140 Sessions die Zukunft der Schlüsseltechnologien.
Alle Infos und das Programm finden Sie unter aidaq.berlin