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Positionierung durch KI, Service und Reparatur

KOOP 2026: Neue Impulse für den Fachhandel

Die KOOP 2026 in Hannover zeigte eine technologisch gut aufgestellte Branche im schwierigen Marktumfeld. KI, Reparaturinitiativen und Omnichannel-Strategien sollen den Fachhandel stärken – entscheidend bleibt jedoch die konsequente Umsetzung am POS.

Autor: Thomas Birkner / Redaktion: Diana Künstler • 3.3.2026 • ca. 3:35 Min

KOOP 2026
Rund 3.000 Teilnehmende besuchten dieses Jahr die Kooperationsmesse und nutzten die Gelegenheit, sich beim Branchentreff über Neuheiten, Trends und Angebote aus der Consumer Electronics- und Home Appliances-Branche zu informieren. In der gemeinsamen Messehalle 9 in Hannover präsentierten sich insgesamt 200 Aussteller.
© TBi-News

Die KOOP – erstmals in Hannover ausgerichtet – präsentierte sich als stark frequentierte Branchenplattform, die nach Jahreszeit und in ihrer Dichte an Ausstellern teilweise an frühere CeBIT-Jahre erinnerte. Rund 200 Hersteller aus Consumer Electronics, IT, Telekommunikation und Hausgeräten nutzten die Halle 9, um Lösungen zu zeigen, die speziell auf die Bedürfnisse der beiden Kooperationen Expert (eigene Schreibweise: „expert se“) und Euronics zugeschnitten waren. Beide Verbünde traten mit hoher Präsenz auf und unterstrichen damit die Bedeutung des stationären Fachhandels in einem zunehmend volatilen Marktumfeld.

Über die KOOP

Die KOOP ist die gemeinsame Kooperations- und Ordermesse der beiden großen deutschen Fachhandelsverbünde Euronics und Expert SE im Elektrofachhandel, die als zentrale Branchenplattform für Industriepartner und Handel dient. Sie findet seit 2026 auf dem Messegelände in Hannover statt, nachdem der Standort zuvor in Berlin beheimatet war. Die KOOP 2026 wurde vom 1. bis 2. März 2026 abgehalten und diente als Treffpunkt für Hersteller, Entscheidungsträger und Händler der Bereiche Consumer Electronics, Home Appliances und IT, um Produktneuheiten, Services und strategische Themen zu präsentieren und zu diskutieren.

Marktumfeld und strategische Ausrichtung der Kooperationen

Expert zog nach neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 eine verhaltene Bilanz. Die Konsumzurückhaltung und steigende Lebenshaltungskosten dämpften weiterhin die Nachfrage, dennoch sieht sich die Verbundgruppe mit rund zwei Milliarden Euro Umsatz stabil positioniert. Auffällig sei die klare Fokussierung auf:

  • Frequenz- und selektive Sortimente, die Kunden gezielt in die Märkte bringen sollen
  • Ausbau stationärer und digitaler Touchpoints, um Beratung und Verfügbarkeit enger zu verzahnen
  • Kunden- und Mitarbeiterbindung, unter dem Leitmotiv „Kunden zu Fans machen“

Euronics wiederum betonte die Stärke seiner dezentralen Struktur mit über 1.000 Mitgliedern und mehr als 1.200 Standorten. Die Kombination aus lokaler Beratung, Services vor Ort und digitaler Infrastruktur bleibe ein zentraler Wettbewerbsvorteil.

Kooperation der Kooperationen: Gemeinsame Interessen bündeln

Ein Schwerpunkt der Messe war die branchenübergreifende Zusammenarbeit. Expert, Euronics, ElectronicPartner und Wertgarantie adressieren gemeinsam politische Themen wie das „Recht auf Reparatur“. Die Initiative soll die Sichtbarkeit des mittelständischen Fachhandels erhöhen und dessen Position gegenüber Industrie und Politik stärken.

Bemerkenswert ist der Einsatz eines KI-gestützten Expert-Ratgebers, der ab Sommer Mitarbeitende bei Service- und Reparaturanfragen unterstützt. Das System soll komplexe Fragestellungen rechtssicher beantworten und perspektivisch um Themen wie Verfügbarkeiten erweitert werden. Für den Fachhandel kann dies ein Effizienzgewinn sein – vorausgesetzt, die KI bleibt transparent, nachvollziehbar und sauber in bestehende Workflows integriert.

Side-step KI im Einzelhandel: Chancen und offene Fragen

Mit SoundHound AI präsentierte ein Anbieter auf dem ebenfalls gerade in Barcelona stattfindenden Mobile World Congress ein praxisnahes Beispiel für KI-gestützte Verkaufsunterstützung. Der Voice-Agent „Sales Assist“ hört mit und analysiert Kundengespräche in Echtzeit und blendet passende Tarifoptionen, Zubehör oder Aktionen ein. Technisch interessant ist die modulare Architektur, die CRM-, Billing- und Produktdatenquellen orchestriert und damit kontextbezogene Empfehlungen ermöglicht.

Allerdings zeigt sich hier auch die Schattenseite: Die Verarbeitung von Sprachdaten im Hintergrund wirft datenschutzrechtliche Fragen auf. Nach europäischem Recht ist eine solche Analyse nur zulässig, wenn Kunden klar informiert werden und einwilligen. Für den Fachhandel bedeutet das: KI-gestützte Assistenzsysteme sind nur dann einsetzbar, wenn Transparenz und DSGVO-Konformität gewährleistet sind.

KOOP 2026
Gigaset bringt KI ins Kinderzimmer.
© TBi-News

Produkttrends: Beratung, Design und sensorbasierte Funktionen

Viele Hersteller präsentierten Produkte, die sich besonders für beratungsintensive Verkaufssituationen eignen:

  • Loewe Leo – ein audiophiler Kopfhörer mit hochwertiger Verarbeitung, klar strukturierten Bedienelementen und deutscher Sprachsteuerung. Ein klassisches Beispiel dafür, wie sich Premium-Audio im Fachhandel besser erklären und erleben lässt.
  • Sennheiser Momentum 5 – profitiert von der Mikrofon-Miniaturisierung der Sonova-Gruppe und setzt auf ein flacheres Kapseldesign. Moderne Materialien und ein hochwertiger Look sollen Emotionen am POS erzeugen.
  • Gigaset/VTech – neue Babyüberwachungsprodukte mit akustischer und optischer Analyse sowie KI-gestützter, abgestufter Alarmierung.
  • AEG vernetzt Backöfen – führt Nutzer Schritt für Schritt durch Rezepte, erkennt Garzustände automatisch und bietet Schnellprogramme wie eine Pizza in drei Minuten. Die Kombination aus Sensorik, App-Anbindung und dynamischer Temperatursteuerung zeigt, wie Smart-Home-Funktionen zunehmend alltagstauglich werden, auch in der Küche.

Marketingimpulse: Fußball-EM und Markenbotschafter

Mit Blick auf die Fußball-Weltmeisterschaft setzt Expert auf erhöhte Kundenfrequenz. Die Kampagne „Wir machen Kunden zu Fans“ wurde prominent präsentiert – inklusive Markenbotschafter Rudi Völler, der vor Ort für hohe Aufmerksamkeit sorgte. Solche Maßnahmen können kurzfristig Frequenz erzeugen, ersetzen aber nicht die Notwendigkeit einer dauerhaften aktiven Kundenansprache im Markt.

KOOP 2026
Markenbotschafter Rudi Voller (3. von li.,) live vor Ort
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Beobachtungen in der Messehalle: Zurückhaltung trotz Besucherandrang

Auffällig war, dass viele Stände trotz recht hoher Besucherzahlen eher passiv agierten. Häufige Smartphone-Nutzung des Personals – selbst am Sonntag – vermittelte nicht immer den Eindruck aktiver Kundenorientierung. Gerade in einem Marktumfeld, das von Konsumflaute geprägt ist, wirkt diese Zurückhaltung kontraproduktiv. Fachhandel lebt von Beratung, Interaktion und Präsenz – und genau diese Faktoren entscheiden über Kaufimpulse.

Fazit

Die KOOP 2026 zeigte eine Branche, die technologisch gut aufgestellt ist, aber kommunikativ noch vorsichtig agiert. KI-Funktionen sind in vielen Produkten bereits integriert, werden jedoch selten offensiv beworben – aus Sorge, Kunden zu überfordern oder abzuschrecken. Gleichzeitig bieten Kooperationen, neue Assistenzsysteme und das „Recht auf Reparatur“ echte Chancen für den Fachhandel.

Entscheidend wird sein, wie aktiv die Händler diese Möglichkeiten nutzen und wie konsequent sie Beratung, Service und digitale Werkzeuge miteinander verbinden.