Vom Computergeschäft zum Archivierungsspezialisten
1995 gründete Jerry J. Artishdad in Karben ein Computergeschäft. In drei Jahrzehnten ist daraus Artec IT Solutions entstanden, ein weltweit aktiver Anbieter in den Bereichen Archivierung, Datenmanagement und Datensicherheit. jetzt hat Artishdad die Verantwortung an die nachfolgende Generation übergeben.
Im vergangenen Jahr feierte Artec IT Solutions 30-jähriges Jubiläum und gleichzeitig den Generationswechsel an der Spitze. Wie hat sich das Unternehmen in den drei Jahrzehnten verändert?
Jerry J. Artishdad: Alles begann 1995 mit einem PC-Fachhandel auf rund 60 Quadratmetern, den ich gemeinsam mit meiner Frau gegründet habe. Wir haben unter anderem Software programmiert und auf Datenträgern verschickt sowie Steuerungslösungen für CD- und Daten-Jukeboxen vertrieben. Ab dem Jahr 2000 haben wir uns dann komplett auf das Thema Datenarchivierung und die rechtssichere Aufbewahrung von Informationen spezialisiert.
Anbieter zum Thema
Was ist heute der Unternehmensfokus?
Artishdad: Mit weltweit eingesetzten Produkten wie dem modularen Archivsystem “EMA” sowie den Massenspeichern der “VSTOR Vault”-Serie ist Artec heute einer der führenden Anbieter in den Bereichen Archivierung, Datenmanagement und Datensicherheit. Ein ganz wichtiger Aspekt ist dabei der Fokus auf digitale Souveränität. Die Softwarelösungen von Artec werden vollständig in Deutschland entwickelt und sind „Made & Hosted in Germany“.
Werden die Lösungen auch als Cloud-Versionen oder as-a-Service angeboten?
Artishdad: Die kurze Antwort lautet Ja. Es kann je nach Unternehmen sehr gute Gründe geben, eine Lösung wie EMA hochsicher in der Cloud, in hybriden Umgebungen oder aber auch ganz klassisch als On-Premises-Appliance vor Ort einzusetzen. Deshalb lassen wir Kunden hier bewusst die Wahlfreiheit.
Breites Netzwerk an Systemhauspartnern
Welche Rolle spielt der Channel in Ihrem Geschäft? Vertreibt Artec IT Solutions ausschließlich über Partner und wenn ja über welche?
Artishdad: Der Fokus liegt bei Artec klar auf dem Channel-Geschäft. Unsere Partner waren ein wesentlicher Garant für den Erfolg der letzten Jahrzehnte und werden dies auch in Zukunft sein. Dabei ist historisch ein sehr breites Netzwerk an Systemhauspartnern in ganz Deutschland gewachsen. Wichtig ist uns dabei, dass es sich bei unseren Partnern nicht um reine Berater handelt, sondern um Spezialisten. Wir setzen auf Partner, die die Anforderungen der Kunden wirklich verstehen und die in der Lage sind, diese optimal zu bedienen.
Beim Vertrieb der Lösungen und dem Partner-Ökosystem hat sich über die Jahre doch sicher auch einiges geändert?
Artishdad: Über die Jahre haben wir immer wieder mit Distributoren zusammengearbeitet und dabei in der Regel gute Erfahrungen gemacht. Um noch näher an unseren Partnern zu sein und auf ihre Anforderungen und Bedürfnisse einzugehen, ist vor rund zwei Jahren die strategische Entscheidung gefallen, Partner vor allem selbst zu betreuen. In diesem Zuge haben wir 2025 auch ein neues Partnerportal gestartet. Reseller können hier ihre Projekte und Verkaufschancen steuern und haben beispielsweise auch Zugriff auf einen intelligenten Produktkonfigurator mit sofortiger Preisauskunft.
KI ohne Vendor-Lock-In
Im letzten Jahr haben Sie die Firmenleitung an Ihre Kinder Julia Gonzalez und Nils Artishdad übergeben. Welchen Herausforderungen sieht sich die neue Generation jetzt gegenüber?
Artishdad: Seit der Übergabe lag ein Fokus ganz klar auf der Weiterentwicklung des Produktes. Jetzt im Frühjahr steht beispielsweise ein Major Release mit vielen Verbesserungen an, das an modernsten Anforderungen orientiert ist. Und KI ist ein sehr wichtiges Thema, wobei wir hier bewusst einen flexiblen Ansatz fahren und uns gegen eine starre KI-Integration entschieden haben: Kunden können die KI-Lösungen ihrer Wahl mit EMA koppeln und geraten nicht in die Abhängigkeit einzelner Anbieter. Dadurch wird ein Vendor-Lock-In vermieden und ein Wechsel der KI-Lösung bleibt jederzeit möglich.
Archivierung auch in schwierigem Marktumfeld gefragt
Wie sieht das Marktumfeld von Artec IT Solutions aus? In Deutschland gibt es ja eine starke Investitionszurückhaltung vor allem mittelständischer Firmen. Wie ist aktuell die Nachfrage, wie umkämpft ist dieser Markt?
Artishdad: Die aktuelle Marktsituation ist natürlich nicht einfach. Artec IT Solutions verzeichnet aber ein stabiles Bestandskundengeschäft. Hinzu kommen aus unserer Sicht drei Aspekte, die eine Archivierung auch in einem schwierigen Marktumfeld attraktiv machen.
Viele Unternehmen stehen derzeit vor neuen regulatorischen Herausforderungen. Dazu gehört etwa die Abbildung rechtlicher Vorgaben an die IT-Sicherheit und Datenarchivierung mit vielen neuen Aspekten durch NIS-2, den Cyber Resilience Act, DORA, den EU Data Act und vieles mehr. Durch die stetige Zunahme von Cyberattacken sind Unternehmen zunehmend auf der Suche nach Lösungen, die ihre wertvollen Daten sicher aufbewahren. Und drittens geht es darum, immer größere Mengen an Daten und Informationen effizient und sinnvoll nutzen zu können. Dies alles erzeugt Nachfrage für unsere engagierten Partner.
Hat sich der Markt für Archivierung, Datenmanagement und Datensicherheit in den letzten Jahren verändert?
Artishdad: Eine Entwicklung der letzten Jahre ist, dass einige Anbieter von US-Unternehmen übernommen wurden. Aktuell erleben wir im Markt, dass dies von potenziellen Kunden als nachteilig empfunden wird. Unternehmen legen gerade in Bereichen wie Archivierung und Datenmanagement zunehmend Wert auf ihre digitale Souveränität. Sie achten deshalb verstärkt auf Lösungen, die im Idealfall in Deutschland entwickelt und gegebenenfalls gehostet werden. Dies kommt unseren Partnern und uns zugute.
Wie schätzen Sie die Aussichten in Ihrem Geschäftsfeld für dieses Jahr und mittelfristig in den kommenden Jahren ein?
Artishdad: Trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen wird der Markt definitiv von den bereits erwähnten regulatorischen Anforderungen und der zunehmenden Bedrohung durch Cyberangriffe profitieren. Am Thema der gesetzlich vorgeschriebenen Archivierung kommen Unternehmen ohnehin nicht vorbei. Da wir als deutsches Unternehmen zudem einige Alleinstellungsmerkmale aufweisen und die Nachfrage nach Sicherheit und Unabhängigkeit abdecken können, sehe ich Artec auch für die nächsten 30 Jahre gut aufgestellt.