Wenn es heiß hergeht: RZ-Klimatisierung als Teil der Ausfallsicherheit
- Flexible Sicherheit im Rechenzentrum
- Sicherheitsräume von groß bis klein
- Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser
- Wenn es heiß hergeht: RZ-Klimatisierung als Teil der Ausfallsicherheit
Hitze droht nicht nur durch Feuer von außen, sondern vor allem durch die Abwärme leistungsstarker Server im Rechenzentrum. Bei einer niedrigen thermischen Belastung bis maximal 800 Watt pro Quadratmeter reicht eine Raumklimatisierung beispielsweise per Umluftsystem aus. Bei Hochleistungs-Servern wie Blades, die über 20 kW Abwärme pro Rack erzeugen können, ist das nicht genug. Um dem Hitzetod der Rechner vorzubeugen, kommen hier flüssiggekühlte, Rack-basierte Klimageräte wie beispielsweise die Liquid-Cooling-Package-Technologie (LCP) von Rittal zum Einsatz. Diese speziellen Kühlsysteme können auch eingesetzt werden, wenn kein Doppelboden vorhanden ist. Je nach Ausführung sind so bis zu 60 kW Kühlleistung pro Rack machbar. Die Kaltluft wird dabei vom anreihbaren Luft/Wasser-Wärmetauscher über perforierte Seitenwände direkt vor die Server in den Schrank geblasen. Eine so hohe Kühlleis-tung ist aber nur in Ausnahmefällen und bei hohen Rechenleistungen in einzelnen Racks erforderlich. Diese Rack-basierten Kühleinheiten stellen auch häufig eine „reihenbasierte“ Lösung dar, indem die kühle Luft in einen geschotteten Gang einblasen wird. Ferner ist eine Klimatisierung über einen herkömmlichen Doppelboden als Lösungsansatz zu erwähnen. Auch hier gilt es, bereits bei der Planung den Kühlbedarf inklusive einer angemessenen Redundanz zu kalkulieren. Ein modulares, an der Abwärme und den räumlichen Gegebenheiten orientiertes Vorgehen schließt einerseits Hot-Spots und Server-Ausfälle, andererseits eine kostspielige Überdimensionierung der Klimatisierung aus.
Bei Witcom ist neben der Stromversorgung auch die Klimatisierung mit zwei getrennten Kreisläufen vollständig redundant ausgelegt. Trotz der doppelten Ausführung achteten die Planer auf Energieeffizienz: Zwei Freikühlanlagen sorgen für das notwendige Prozessklima, welches ohne wesentlichen Energieeinsatz erzeugt werden kann. Dabei wird die kühle Außenluft genutzt, um das benötigte Kaltwasser zu erzeugen. Eine weitere, sehr effiziente Möglichkeit hierfür ist der Einsatz von Geothermie: Die Celler Brunnenbau pumpt Wasser in die Erde, aus der es mit maximal 14 Grad Celsius wieder an die Oberfläche kommt. Damit konnte ein hervorragender Wert für Power-Usage-Effectiveness (PUE) von 1,06 realisiert werden. Insgesamt lässt sich beim Thema Klimatisierung im Rechenzentrum mit cleveren Lösungen viel Geld sparen ohne die Ausfallsicherheit zu gefährden.
Fazit
Zwar lässt sich nie ein 100-prozentiger Schutz herstellen, aber eine sorgfältige Planung ermöglicht, dass Risiken wirkungsvoll vorgebeugt wird. Bereits frühzeitig ist daher auf die entsprechenden Zertifizierungen in den für die Sicherheit ausschlaggebenden Bereichen zu achten. Essenziell ist dabei die ganzheitliche Betrachtung der IT-Landschaft, bei der die Analyse der physikalischen Gefahren nicht zu kurz kommen darf. Sie sind ein wichtiger Bestandteil eines umfassenden Risikomanagements und entscheidend für die Verfügbarkeit geschäftskritischer Prozesse. Ebenfalls zu berücksichtigen ist die Effizienz und Skalierbarkeit der eingesetzten Lösungen: Angesichts knapper Budgets bei steigenden Ansprüchen muss die RZ-Infrastruktur flexibel erweiterbar und reorganisierbar sein, während die Betriebskosten niedrig bleiben. Es lohnt sich daher bei Investitionen in die Sicherheit des Datacenters immer auch die Zukunft im Blick zu behalten und auf erweiterbare Konzepte zu setzen. Gehen die Betreiber bei der Reorganisation ihres Rechenzentrums strukturiert und mit Bedacht vor, werden sich die Investitionen in die Rechenzentrumssicherheit spätestens beim ersten verhinderten Ausfall auszahlen. (RL)