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Wachsender refurbished-Markt in Europa

Distributoren verkaufen immer mehr runderneuerte PCs

Die Distributoren in den europäischen Kernmärkten verkaufen immer mehr refurbished PCs. Das zeigen die von Context erhobenen Verkaufszahlen. An der Spitze liegt der britische Markt knapp vor Deutschland.

Autor: Michaela Wurm • 19.2.2026 • ca. 2:20 Min

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Wiederaufbereitete Notebooks, wie hier bei Circulee, gewinnen im PC-Markt an Bedeutung
© circulee

Im europäischen PC-Markt zeigt sich ein struktureller Wandel und dabei spielen refurbished Geräte eine zunehmend wichtige Rolle. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Marktforschungsunternehmens Context.
Demnach stiegen die Verkaufszahlen von wiederaufbereiteten PCs über den Distributionskanal in den fünf größten europäischen Märkten – Italien, Großbritannien, Deutschland, Spanien und Frankreich – im vierten Quartal 2025 um 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Die größte Dynamik registrierte Contex in Großbritannien. Vom vierten Quartal 2024 bis zum vierten Quartal 2025 verdoppelten sich dort die Absatzmengen nahezu. In der zweiten Jahreshälfte 2025 überholte der britische Markt sogar Deutschland beim Marktanteil des refurbished Segments.

„Unsere neueste Analyse zeigt, dass Second-Life-Computing sich entscheidend zum Mainstream entwickelt, wobei Großbritannien sich zum am schnellsten wachsenden Markt in Europa entwickelt“, erklärte Jacky Chang, ESG-Spezialist bei Context. „Für britische Verbraucher hat sich das Thema Refurbished längst aus seiner Nische herausentwickelt“, so Chang.

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Handel darf Einstiegschance nicht verpassen

„Die neueste Analyse zeigt einen deutlichen Trend und eine wachsende Nachfrage nach gebrauchten IT-Produkten“, so Chang. „Der Trend geht dabei zu Geräten mit höherer Ausstattung und höherem Wert. In einem Markt mit festen Lieferbeschränkungen können diese eine attraktive Lösung für Einzelhändler und Verbraucher sein, die nach einer soliden Alternative suchen.“

Angesichts der anhaltenden Komponentenverknappung und des Preisdrucks auf dem Primärmarkt bieten generalüberholte Geräte Einzelhändlern die Möglichkeit, ihre Margen zu schützen und gleichzeitig die Nachfrage der Verbraucher nach erschwinglichen Computern zu befriedigen, so der Analyst.

Mit Blick auf den Channel warnte Chang jedoch auch, die Chance zum Einstieg in diesen Markt nicht zu verpassen: „Da Preisdruck, begrenztes Angebot und Nachhaltigkeitsprioritäten zusammenkommen, haben Einzelhändler nur ein kleines Zeitfenster, um ihre Strategien neu auszurichten.“

Preis ist zentraler Faktor

Für die Context-Analysten ist die Preisstruktur ein wesentlicher Treiber im Markt für refurbished PCs und Notebooks. Im Notebook-Segment entfallen rund 40 Prozent der Verkäufe auf die Preisspanne zwischen 200 und 300 Euro. Gleichzeitig wuchs der Anteil der Geräte im Bereich von 300 bis 400 Euro von 15 Prozent im Jahr 2024 auf 23 Prozent im Jahr 2025.

Auch in anderen Kategorien zeigen sich eindeutige Preismuster: So wird rund ein Drittel der refurbished Tablets für unter 100 Euro verkauft. Bei Desktop-PCs liegt etwa ein Drittel der Verkäufe im Bereich zwischen 100 und 200 Euro.

Die neueste Analyse zeigt einen deutlichen Trend und eine wachsende Nachfrage nach gebrauchten IT-Produkten“, fügte Jacky Chang hinzu. „Der Trend geht dabei zu Geräten mit höherer Ausstattung und höherem Wert. In einem Markt mit festen Lieferbeschränkungen können diese eine attraktive Lösung für Einzelhändler und Verbraucher sein, die nach einer soliden Alternative suchen.“

Angesichts der anhaltenden Komponentenverknappung und des Preisdrucks auf dem Primärmarkt bieten generalüberholte Geräte Einzelhändlern die Möglichkeit, ihre Margen zu schützen und gleichzeitig die Nachfrage der Verbraucher nach erschwinglichen Computern zu befriedigen.

Zusätzliche Impulse durch Recht auf Reparatur

Die Analysten erwarten zudem, dass das Refurbished-Marktsegment auch von regulatorischen Änderungen profitieren wird. Speziell die EU-Richtlinie zum Recht auf Reparatur, die im Juli 2026 vollständig in Kraft treten soll, werde voraussichtlich die Verfügbarkeit von reparierbaren Geräten und Ersatzteilen in der gesamten Union erhöhen. Das werde die Second-Life-Technologie weiter legitimieren und Kreislaufwirtschaftsmodelle im IT-Einzelhandel stärken.

Für Einzelhändler sei die Botschaft klar: Refurbished-Produkte sind nicht mehr nur eine Nebensache. Sie werden zu einem festen Bestandteil des europäischen PC-Marktes.