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Präventionsprogramm für Jugendliche

Neue App „freii" gegen Onlinesucht

Während die Bildschirmzeiten bei Jugendlichen Rekordwerte erreichen, soll die neue App „freii" aus dem Bereich Digital Health nun den Gegenimpuls setzen.

dpa | Redaktion: Andrea Fellmeth • 12.3.2026 • ca. 1:20 Min

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© AYO Production – shutterstock.com

Sieben Stunden tägliche Screentime sind für viele Teenager längst kein Extremwert mehr, sondern digitaler Alltag. Doch wo hört die normale Nutzung auf und wo beginnt die Sucht? Um dieser Frage aktiv zu begegnen, wurde in Berlin die App „freii“ vorgestellt – ein mobiles Präventionsprogramm, das nach einer erfolgreichen Web-Testphase ab sofort nativ für iOS und Android verfügbar ist.

Vom Konsum zur Kontrolle: Das Konzept hinter „freii“

Das Herzstück der Anwendung, entwickelt von den Suchtpräventionsexperten der Villa Schöpflin in Lörrach, ist eine 21-Tage-Challenge. Der technologische Ansatz ist dabei bewusst niederschwellig: Kurze Aufgaben motivieren dazu, das Smartphone physisch zu ignorieren (zum Beispiel durch Wegsperren für mehrere Stunden). Die App regt zusätzlich gezielt zu Offline-Aktivitäten in der Natur oder mit Freunden an, Kurze Video-Inhalte, unter anderem von Mediziner Eckart von Hirschhausen, flankieren das Programm und richten sich auch explizit an die Eltern.

Der Suchtbeauftragte warnt: „Echtes Leben wird vernachlässigt“

Bei der offiziellen Vorstellung betonte der Bundesdrogenbeauftragte Hendrik Streeck (CDU), dass die reine Nutzungsdauer nur ein Indikator sei. Viel entscheidender sei der Verdrängungseffekt: Laut aktuellen Studien zeigt bereits jedes vierte Kind in Deutschland ein riskantes Medienverhalten. „Man kann es nicht allein an der Länge der Nutzung festmachen, sondern daran, was im echten Leben vernachlässigt wird“, so Streeck.

Die Folgen seien oft schleichend: Schlafmangel, Konzentrationsstörungen und im Extremfall depressive Verstimmungen. Die App fungiert hier als digitaler Spiegel, um den Automatismus des „Infinite Scrolling“ auf Plattformen wie TikTok oder Instagram zu durchbrechen.

Skalierung über das Klassenzimmer

Obwohl „freii“ als App für das Individuum konzipiert ist, setzt das Team auf eine hybride Strategie. Das Programm ist so modular aufgebaut, dass es auch in Schulen eingesetzt werden kann. Begleitende Workshops durch geschultes Personal sollen den Lerneffekt vertiefen.

Dabei stellt Geschäftsführer Peter Eichin klar: „freii“ sei kein therapeutisches Instrument für klinische Suchtfälle, sondern ein präventives Werkzeug. Es soll die Lücke füllen zwischen „völliger Regellosigkeit“ und professioneller Behandlung.

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