KI-Trainer treiben globalen Jobmarkt an
Der „State of Global Hiring Report 2025“ von Deel zeigt laut Unternehmen einen deutlichen Wandel im Arbeitsmarkt. Besonders KI-Trainer:innen entwickeln sich zu einem stark wachsenden Berufsbild, während Start-ups international gezielt Fachkräfte rekrutieren.
Der globale Arbeitsmarkt befindet sich laut dem „State of Global Hiring Report 2025“ der HR- und Payroll-Plattform Deel in einem strukturellen Wandel. Die Auswertung basiert nach Angaben des Unternehmens auf mehr als einer Million Arbeitsverträgen aus über 150 Ländern.
Dem Bericht zufolge habe sich das KI-Training in kurzer Zeit zu einem eigenständigen Berufsfeld entwickelt. Weltweit seien inzwischen mehr als 70.000 Fachkräfte in über 600 Organisationen damit beschäftigt, KI-Systeme zu trainieren. Die Tätigkeiten reichten von grundlegender Datenannotation bis hin zu spezialisierten Aufgaben, etwa in den Bereichen Medizin, Wirtschaft oder Übersetzung. Auch in Deutschland sei ein deutlicher Zuwachs zu beobachten. Die Zahl der über Deel beschäftigten KI-Trainer:innen sei zwischen 2024 und 2025 von 44 auf 581 gestiegen. Dies entspreche laut Unternehmen einem Wachstum um mehr als das 13-Fache innerhalb eines Jahres.
Die Aufgabenprofile innerhalb dieser Rolle seien breit gefächert. Neben allgemeinen Tätigkeiten im Bereich Data Training gebe es zunehmend spezialisierte Funktionen, beispielsweise für die Qualitätsprüfung KI-gestützter Übersetzungen oder für domänenspezifisches Expertenfeedback.
Deutliche Unterschiede bei der Vergütung
Die Analyse zeige zugleich eine erhebliche Spannbreite bei der Bezahlung. Rund 30 Prozent der KI-Trainer:innen erhielten für Annotationstätigkeiten zwischen 15 und 20 US-Dollar pro Stunde. Für spezialisierte Tätigkeiten könnten hingegen Stundenvergütungen von 50 bis 75 US-Dollar erreicht werden. Ein kleiner Anteil hochqualifizierter Expert:innen verdiene laut Deel sogar mehr als 100 US-Dollar pro Stunde.
Darüber hinaus verweist der Bericht auf ein weiterhin bestehendes geschlechtsspezifisches Lohngefälle. In Deutschland liege der Median-Stundenlohn für männliche KI-Trainer bei rund 35 US-Dollar, während weibliche KI-Trainerinnen im Median 19,83 US-Dollar erhielten.
Auch international sei dieser Unterschied sichtbar. In den USA etwa verdienten männliche KI-Trainer im Median 50 US-Dollar pro Stunde, weibliche hingegen rund 30 US-Dollar.
Start-ups setzen auf internationale Rekrutierung
Ein weiterer Schwerpunkt des Reports liegt auf der internationalen Talentstrategie schnell wachsender Technologieunternehmen. Analysiert wurden rund 100 Start-ups, die zwischen 2020 und 2025 gegründet wurden und jeweils mehr als 100 Millionen US-Dollar Finanzierung erhalten haben.
Den Daten zufolge konzentriere sich deren internationale Rekrutierung stark auf wirtschaftlich leistungsfähige Märkte. Das Vereinigte Königreich liege mit 12,2 Prozent aller Einstellungen an der Spitze, gefolgt von Kanada mit 11,9 Prozent und Deutschland mit 8,8 Prozent.
Diese Entwicklung widerspreche der verbreiteten Annahme, internationale Einstellungen dienten primär der Kostensenkung. Stattdessen gehe es laut Unternehmen zunehmend darum, Zugang zu hochqualifizierten Spezialist:innen zu erhalten.
Besonders häufig würden Softwareentwickler:innen international eingestellt. Sie machten 28 Prozent der grenzüberschreitenden Positionen bei Top-Start-ups aus. Weitere relevante Funktionen seien Tech-Sales, Business Development sowie KI-Ingenieur:innen.
Rückkehr in urbane Zentren
Parallel zu den Veränderungen im Recruiting beobachtet der Bericht auch eine Verschiebung bei den Wohnorten international beschäftigter Fachkräfte. Nach der pandemiebedingten Abwanderung aus Metropolen sei eine langsame Rückbewegung in städtische Regionen zu erkennen.
Die durchschnittliche Entfernung international beschäftigter Mitarbeitender zu großen Städten nehme seit 2022 kontinuierlich ab. Vergleichbare Entwicklungen seien unter anderem in den USA, London und Paris festzustellen.
Neue Strategien bei globaler Vergütung
Auch im Bereich Vergütung zeigten sich laut Analyse regionale Unterschiede. Besonders stark seien Gehälter für Führungspositionen gestiegen. In den USA hätten beispielsweise Projektmanager:innen ein Gehaltswachstum von 24,5 Prozent verzeichnet, während COOs in Lateinamerika sogar ein Plus von nahezu 100 Prozent erreicht hätten.
Für Deutschland nennt der Bericht ebenfalls hohe Gehaltsniveaus im internationalen Kontext. Beschäftigte, die über ein sogenanntes Employee-of-Record-Modell für stark finanzierte Start-ups arbeiten, erzielten hier einen Medianlohn von rund 158.549 US-Dollar pro Jahr.
Währungen als Absicherungsstrategie
Ein weiterer Trend betreffe die Wahl der Auszahlungswährung. In wirtschaftlich volatilen Ländern entschieden sich Auftragnehmende laut Deel zunehmend für Vergütungen in US-Dollar oder Stablecoins. Dieses sogenannte „Currency Hopping“ solle helfen, Einkommensverluste durch Inflation zu vermeiden.
Besonders ausgeprägt sei dieser Trend unter anderem in Argentinien und Bolivien, wo der US-Dollar häufig parallel zur lokalen Währung genutzt werde.