Warum Digital Signage jetzt zur IT wird
Smart Buildings, Cloud-Management und Cybersecurity prägen die ISE 2026. Samsung zeigt, wie sich Digital Signage vom Anzeigemedium zum IT-System entwickelt und welche Anforderungen daraus für Unternehmen entstehen.
Das Motto der ISE 2026 „Push Beyond“ steht für mehr als neue Displayformate oder höhere Auflösungen. Für Amit Chatterjee, Manager Presales Solutions bei Samsung Electronics GmbH, geht es vor allem darum, bestehende Annahmen zu hinterfragen: Welche Technologien bringen echten Mehrwert – und wo wird noch zu viel versprochen?
Die thematische Klammer dafür liefert die Integrated Systems Europe (ISE), die sich längst als strategische Leitmesse für AV-, IT- und Gebäudekonvergenz etabliert hat. Samsung zeigt auf der Messe eine Reihe sichtbarer Innovationen: Spatial Displays, die 2D-Inhalte in visuelle 3D-Effekte übersetzen, transparentes Micro-LED oder energieeffiziente Color-E-Paper-Lösungen. Gleichzeitig betont Chatterjee im Vorabgespräch mit connect professional, dass technischer Fortschritt oft evolutionär statt revolutionär ist. „LCD-Technologie ist nach wie vor noch nicht tot“, sagt er. Mit Micro-RGB-Backlights lasse sich die Bildqualität nochmals deutlich steigern.
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Infokasten: Integrated Systems Europe (ISE)
- Was: Weltweit führende Fachmesse für ProAV, Digital Signage, Systemintegration und Smart Buildings
- Wann & wo: 3.–6. Februar 2026, Fira de Barcelona, Gran Via (Barcelona, Spanien)
- Für wen: IT- und AV-Verantwortliche, Systemintegratoren, Planer, Facility Manager, Architekten und Entscheider aus Handel, Industrie, Smart Building und öffentlichem Sektor
- Größe: Rund 70.000–80.000 Fachbesucher und mehr als 1.600 Aussteller aus über 160 Ländern – mit breitem Technologie-Portfolio und Fachprogramm
Der eigentliche „Beyond“-Schritt liegt jedoch weniger im Display selbst, sondern im Betriebsmodell: Displays werden zu vernetzten IT-Endpunkten, eingebettet in Smart Buildings, Cloud-Plattformen und Sicherheitsarchitekturen. Genau an dieser Stelle zeigt sich jedoch, dass technologische Innovation allein nicht ausreicht.
Integration als Realitätstest: Wenn AV, IT und Gebäude verschmelzen
Integration und Convergence zählen zu den zentralen Schlagworten der ISE 2026. In der Praxis scheitern Projekte laut Chatterjee jedoch selten an der Technik, sondern an der Komplexität im Betrieb. „Wenn vieles zusammenkommt, ist ja die Frage: Wie einfach lässt es sich trotzdem bedienen?“ Aus seiner Sicht entscheidet dabei weniger die Funktionsvielfalt als die Alltagstauglichkeit: Systeme müssten so gestaltet sein, dass sie auch von Nicht-Spezialisten sicher bedient werden können.
Mit SmartThings Pro adressiert Samsung genau diesen Punkt: IoT-Geräte, Displays und Gebäudetechnik liefern ihre Funktionen selbst an die Plattform, Dashboards entstehen automatisch. Das reduziert nicht nur Programmieraufwand, sondern auch organisatorische Reibungspunkte zwischen IT, Facility Management und Fachabteilungen.
Gleichzeitig zeigt sich im Markt ein klarer Reifegrad-Unterschied: Viele Unternehmen wollen integrierte Lösungen, verfügen aber noch nicht über die notwendigen Prozesse, Rollenmodelle und Zuständigkeiten. Governance – also die Frage, wer Inhalte, Geräte und Daten kontrolliert – wird damit zum entscheidenden Erfolgsfaktor.
Digital Signage wird IT – und braucht neue Betriebsmodelle
Ein klarer Trend: Digital Signage wird zunehmend wie klassische IT betrieben. Remote-Management, Rollouts über Hunderte oder Tausende Screens und standardisierte Updates gehören inzwischen zum Erwartungshorizont vieler Kunden. „Digital Signage ist kein Projekt mehr. Es ist ein laufender IT-Betrieb“, bringt es Amit Chatterjee auf den Punkt.
Samsung VXT (Visual Experience Transformation) ist als Cloud-Plattform genau darauf ausgelegt. Chatterjee beschreibt den Ansatz als Abkehr vom projektbasierten Denken: Signage werde zum dauerhaften Service, inklusive Monitoring, Firmware-Management und Rechtekonzepten. Für Integratoren bedeutet das neue Rollen – weg vom reinen Installateur, hin zum Managed-Service-Partner.
Auch wirtschaftlich verändert sich der Markt. Cloud- und Plattformmodelle verschieben Investitionen zunehmend von CapEx zu OpEx. Gleichzeitig gewinnen Total Cost of Ownership und Energieeffizienz an Bedeutung, etwa durch E-Paper-Displays oder automatisierte Ein-/Ausschaltzeiten.
Infokasten: Samsung VXT (Visual Experience Transformation) ist eine cloudbasierte Plattform für Digital Signage. Sie ermöglicht die zentrale Erstellung, Verwaltung und Ausspielung von Inhalten sowie das Remote-Management von Displays. Über eine webbasierte Oberfläche lassen sich Inhalte gestalten, Geräte überwachen und Updates aus der Ferne durchführen. VXT unterstützt sowohl Samsung-Displays mit integriertem Player als auch externe Android- oder Windows-Player und ist damit auch für heterogene Bestandsumgebungen geeignet. Für regulierte Branchen stehen Cloud-, Hybrid- und On-Prem-Optionen zur Verfügung. Samsung VXT richtet sich an Unternehmen, Integratoren und IT-Abteilungen.
Cybersecurity, NIS2 und „Security by Design“
Mit wachsender Vernetzung steigt auch das Risiko. Angriffe auf Digital-Signage-Netzwerke sind längst Realität. Entsprechend rücken Themen wie NIS2, ISO 27001 und EU-Cybersecurity-Regulierungen stärker in den Fokus der ISE.
Chatterjee betont, dass Samsung hier auf einen langjährigen Ansatz setzt: „Samsung Knox ist Security by Design.“ Anders als reine Softwarelösungen sei Knox, vielen bislang vor allem aus dem Mobile- und Enterprise-Smartphone-Umfeld bekannt, tief in Hard- und Software verankert – sowohl auf Mobilgeräten als auch in kompatiblen Displays und IoT-Endpunkten. Knox bietet unter anderem hardwarebasierte Verschlüsselung, sichere Startprozesse und kontinuierliche Integritätsprüfungen, die weit über einfache Firewall- oder Patch-Mechanismen hinausgehen.
Besonders relevant wird das in sensiblen Szenarien: Von Kliniken über Leit- und Krisenzentren bis hin zur Notfallkommunikation. Über Trigger – etwa aus Brandmeldeanlagen – können Displays automatisch Evakuierungsinformationen anzeigen. In Control Rooms ermöglichen großformatige LED-Wände und Cloud-basierte Visualisierungslösungen einen gemeinsamen Lageüberblick, auch mobil.
Infokasten: SmartThings Pro ist Samsungs B2B-Plattform zur Vernetzung und Steuerung von Gebäudetechnik. Sie verbindet Displays, IoT-Geräte sowie Infrastruktur wie Licht, Klima und Sensorik in einer zentralen Oberfläche. Die Plattform erkennt automatisch die Funktionen angeschlossener Geräte und erstellt darauf basierend Dashboards und Steuerungsmöglichkeiten – ohne individuelle Programmierung. Typische Einsatzfelder sind Energie- und Verbrauchsmonitoring, Raum- und Belegungssteuerung, Geräteüberwachung sowie die Verknüpfung von Digital Signage mit Gebäudefunktionen. SmartThings Pro richtet sich an IT-Abteilungen, Facility Management und Betreiber von Smart Buildings.
KI mit Augenmaß
Künstliche Intelligenz ist auch im Signage-Umfeld allgegenwärtig. Samsung nutzt KI heute vor allem dort, wo sie messbaren Nutzen bringt: Bei Bildoptimierung, Content-Erstellung oder der Vereinfachung komplexer Prozesse. Beispiele sind KI-gestützte Bildgenerierung in VXT oder die automatische 2D-zu-3D-Aufbereitung für Spatial Displays.
Gleichzeitig mahnt Chatterjee zur Zurückhaltung. Personalisierte Werbung auf Basis von Emotionserkennung sei nicht nur technisch, sondern auch regulatorisch problematisch. Der EU-AI-Act setze hier klare Grenzen – aus gutem Grund. Der Fokus liege daher auf KI als Assistenz, nicht als autonomer Entscheider.
Fazit: Technologie ist da, aber der Reifegrad entscheidet
Die ISE 2026 zeigt einen Markt im Übergang. Displays werden Plattformen, Signage wird IT, Gebäude werden intelligent. Doch Technik allein reicht nicht. Organisation, Governance, Sicherheit und Betrieb entscheiden darüber, ob Integration echten Mehrwert liefert.
Oder, wie es Amit Chatterjee indirekt zusammenfasst: Offenheit für neue Modelle, saubere Prozesse und ein realistischer Blick auf Nutzen und Grenzen sind entscheidender als die nächste technische Sensation.