WD richtet sich strategisch auf KI-Infrastrukturen aus
WD stellt eine Roadmap mit 40- bis 100-TB-HDDs, neuer Performance-Architektur und energieoptimierten Modellen vor. Ziel sei es, KI-Workloads wirtschaftlicher zu betreiben, Flash-Abhängigkeiten zu reduzieren und Hyperscale-Ökonomien breiter verfügbar zu machen.
WD hat sich nach eigenen Angaben als eigenständiger Anbieter von HDD-Technologien neu positioniert und richte seine Strategie konsequent auf KI- und Cloud-Anwendungen aus. Demnach würden rund 90 Prozent des Umsatzes inzwischen aus KI- und Cloud-nahen Einsatzfeldern stammen.
Im Rahmen des Innovation Day 2026 hat das Unternehmen eine kundenorientierte Speicher-Roadmap vorgestellt, die hohe Kapazitäten, Leistungsoptimierung und Energieeffizienz adressieren solle. Ergänzend sei eine offene Plattformarchitektur angekündigt worden, um die Integration in bestehende Infrastrukturen zu erleichtern und Qualifizierungszyklen zu verkürzen.
Parallel dazu habe WD ein neues Finanzmodell für die kommenden drei bis fünf Jahre präsentiert. Dieses sei über die Investor-Relations-Seite des Unternehmens abrufbar (https://investor.wdc.com/).
Kapazitätsentwicklung: 40 TB heute, 100 TB bis 2029
Im Zentrum der Roadmap steht ein zweigleisiger Technologieansatz mit ePMR und HAMR. Laut Unternehmen würden derzeit zwei Hyperscale-Kunden 40-TB-UltraSMR-HDDs auf ePMR-Basis qualifizieren. Die Serienproduktion in größerem Umfang sei für die zweite Jahreshälfte 2026 vorgesehen.
Parallel dazu befänden sich HAMR-basierte HDDs in der Qualifikationsphase bei Hyperscalern. Eine Produktionsausweitung sei für 2027 geplant. Bis 2029 solle die HAMR-Technologie auf Kapazitäten von 100 TB skalieren.
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WD gibt an, ePMR mithilfe von HAMR-Innovationen auf bis zu 60 TB ausbauen zu wollen, ohne den Energieverbrauch zu erhöhen. Beide Technologien basierten auf einer gemeinsamen Architektur. Dies ermögliche effizientere Fertigungsprozesse und solle Kunden eine schrittweise Migration ohne Infrastrukturbruch erlauben. Ein erzwungener Technologiewechsel sei nach Unternehmensangaben nicht erforderlich.
Für Betreiber großer Rechenzentren bedeute dies planbare Kapazitätssteigerungen bei gleichbleibender Architektur sowie Investitionsschutz durch langfristige Skalierbarkeit.
Neue HDD-Performance-Architekturen für KI-Workloads
Um die Leistungsanforderungen datenintensiver KI-Anwendungen zu adressieren, habe WD zwei neue Technologien vorgestellt: High Bandwidth Drive und Dual Pivot.
Die High-Bandwidth-Drive-Technologie ermögliche paralleles Lesen und Schreiben mit mehreren Köpfen auf unterschiedlichen Spuren. Dadurch lasse sich die Datenbandbreite gegenüber herkömmlichen HDDs verdoppeln, perspektivisch sei eine bis zu achtfache Bandbreitensteigerung möglich. Die Technologie befinde sich laut Unternehmen bereits in der Validierung bei Kunden.
Mit der Dual-Pivot-Technologie werde ein zusätzlicher, unabhängig arbeitender Aktuator integriert. Innerhalb einer 3,5-Zoll-HDD solle sich dadurch die sequenzielle I/O-Leistung verdoppeln, ohne Kapazitätseinbußen oder umfangreiche Softwareanpassungen. HDDs mit Dual Pivot befänden sich derzeit im Laborstadium und seien ab 2028 geplant.
In Kombination könnten beide Technologien eine bis zu vierfache Steigerung der sequenziellen I/O-Leistung ermöglichen. Ziel sei es, den Leistungsabstand zu QLC-Flash zu reduzieren und gleichzeitig die Kostenvorteile klassischer HDD-Architekturen zu erhalten. Dadurch könne der Bedarf an zusätzlichen SSD-Ressourcen in KI-Umgebungen sinken, was sich positiv auf Total Cost of Ownership (TCO) und Energieeffizienz auswirken dürfte.
Energieoptimierte HDDs für „kalte“ KI-Daten
Für KI-Trainings- und Inferenzszenarien mit großen Datenmengen habe WD energieoptimierte HDDs angekündigt. Diese sollen den Stromverbrauch um rund 20 Prozent senken und gleichzeitig Zugriffszeiten von unter einer Sekunde ermöglichen.
Die Laufwerke seien auf hohe Kapazität und reduzierte Leistungsaufnahme ausgelegt, während minimale zufällige I/O-Performance zugunsten der Energieeffizienz zurückgestellt werde. Damit solle die Lücke zwischen Warm-Storage- und Archiv-Systemen geschlossen werden.
Die energieoptimierten Modelle würden voraussichtlich ab 2027 in die Kundenqualifikation gehen. Für Betreiber großer KI-Datenpools könne dies eine wirtschaftlich nachhaltigere Speicherung großer Datenbestände ermöglichen.
Plattformstrategie: Offene API für Hyperscale-Ökonomien
Neben der Hardware-Roadmap hat WD eine Erweiterung seines Plattformgeschäfts angekündigt. Kern sei eine intelligente Software-Schicht auf Basis einer offenen API, deren Einführung für 2027 vorgesehen sei.
Diese Lösung solle Unternehmen mit Datenvolumina ab 200 Petabyte den Zugang zu Hyperscale-Speicherökonomien ermöglichen. Durch standardisierte Schnittstellen und eine vereinfachte Orchestrierung lasse sich die Einführung neuer Speichertechnologien beschleunigen.
Nach Angaben des Unternehmens solle die Plattform die Time-to-Production verkürzen, Qualifizierungsrisiken reduzieren und eine unterbrechungsfreie Integration in bestehende Architekturen gewährleisten. Dies adressiere insbesondere Cloud-Anbieter und Enterprise-Kunden mit wachsendem KI-Workload, die skalierbare, compliance-fähige und wirtschaftlich planbare Speicherinfrastrukturen benötigen.
Marktposition und operative Entwicklung
WD verweist auf operative Verbesserungen, langfristige Kundenvereinbarungen sowie eine beschleunigte Entscheidungsstruktur. Nach eigenen Angaben habe sich der Bruttogewinn im Jahresvergleich mehr als verdoppelt. Zudem sei das Unternehmen 2025 in den NASDAQ-100 aufgenommen worden und habe zu den leistungsstärksten Unternehmen im S&P 500 gezählt.
Mit der neuen Markenpositionierung unter dem Namen WD unterstreicht das Unternehmen seine Rolle als Infrastrukturpartner für die KI-getriebene Datenökonomie. Irving Tan, Chief Executive Officer von WD, resümiert: „Im vergangenen Jahr hat sich WD konsequent auf Umsetzung und Innovationsbeschleunigung konzentriert. So konnten wir HDDs neu denken, um die Anforderungen von KI zu erfüllen. Heute zeigen wir die Ergebnisse, die unsere enge Verbindung zu unseren Kunden widerspiegeln und aufzeigen, wie wir den Bedarf an Kapazität, Skalierbarkeit, Qualität, Leistung und einfacher Technologieeinführung erfüllen.“