Aagon und ACMP 6.9: UEM als Basis für Resilienz und NIS2
Hybride IT, NIS2 und steigende Cyberrisiken verändern die Rolle von Unified Endpoint Management. Aagon reagiert mit ACMP 6.9, stärkerem Channel-Fokus und einer klaren Hybrid-Strategie. CEO Jürgen Vogler und Evangelist Sebastian Weber ordnen ein.
Unified Endpoint Management galt lange als solides Fundament der IT, selten jedoch als strategischer Hebel. Diese Wahrnehmung verändert sich. Steigende Cyberangriffe, regulatorische Vorgaben wie NIS2 und zunehmend hybride Infrastrukturen machen Endpunkte zum kritischen Faktor für Sicherheit, Stabilität und Betriebsfähigkeit.
Genau hier setzt Aagon an. Mit der neuen Version ACMP 6.9 positioniert der Soester Hersteller seine Plattform klar als Basis für resiliente IT-Landschaften. „UEM ist für mich immer die Grundlage“, sagt Sebastian Weber, Chief Evangelist bei Aagon im Gespräch mit connect professional. Ohne sauberes Inventar, ohne Transparenz über Geräte und Schwachstellen lasse sich keine Sicherheitsstrategie sinnvoll umsetzen.
Auch CEO Jürgen Vogler bringt es zugespitzt auf den Punkt: „UEM ist dieses Thema ‚Get your basics done‘. Wenn du Cybersecurity machen willst und hast deine Endpunkte nicht im Griff, kannst du gleich wieder aufhören.“
Neuer CEO, klarere Partnerorientierung
Seit Oktober 2025 führt Jürgen Vogler die Aagon GmbH. Sein Einstieg ist geprägt von Zuhören, Einordnen und gezielten Korrekturen. Vogler beschreibt seine Rolle bewusst nicht als Sanierer, sondern als jemand, der „etwas Gesundes mit Potenzial noch gesünder“ machen will.
Ein zentraler Punkt: die stärkere Einbindung des Channels. Historisch lag der Fokus bei Aagon stärker auf dem Direktvertrieb – ein Umstand, den Vogler offen anspricht. Heute arbeitet Aagon mit einer niedrigen dreistelligen Zahl an Channelpartnern, vor allem Systemhäusern.
Statt schneller Expansion setzt Vogler auf Qualität und klare Spielregeln. „Partnerschaft heißt nicht Partnerschaft, weil der Partner schafft, sondern wir machen das zusammen“, sagt er. Dazu gehört, Partner stärker in Marketing, Produktfeedback und strategische Entscheidungen einzubinden. Ein neues Partnerprogramm ist noch für dieses Jahr angekündigt.
Auch produktseitig wurden Konsequenzen gezogen. Funktionen, die keinen nachhaltigen Mehrwert mehr liefern, werden konsolidiert oder nicht weiterentwickelt. So wird das frühere Zusatzprodukt AESB zwar weiter betrieben, aber funktional eingefroren. Stattdessen erhält ACMP eine native REST-API, um Integrationen für Partner und Kunden zu vereinfachen – ein Punkt, der aus Aagon-Sicht auch die Partnerlandschaft stärken soll.
ACMP 6.9: Hybrid-Strategie statt Cloud-Dogma
Die im Januar 2026 veröffentlichte Version ACMP 6.9 steht unter dem Leitmotiv „Always on. Sicher. Resilient“. Inhaltlich spiegelt das exakt die Themen wider, die Vogler und Weber in den Interviews betonen: Stabilität, Wiederherstellbarkeit und Flexibilität.
Der hybride Ansatz spielt dabei eine Schlüsselrolle. Kunden können ACMP klassisch On-Premises betreiben, vollständig in der Cloud oder in Mischformen. Für Weber ist genau diese Wechselbarkeit ein Kern von digitaler Souveränität: „Dass ich einen Plan B habe. Was ist, wenn A nicht mehr funktioniert? Was mache ich dann? Kann ich jetzt einfach umschalten?“
Für Azure existiert eine Beispiel-VM, die Kunden direkt in ihrer Umgebung ausrollen können. Migration wird dabei bewusst pragmatisch gedacht: Datenbestände lassen sich je nach Setup übernehmen oder weiter lokal betreiben.
Gleichzeitig grenzt sich Aagon bewusst von rein cloudnativen UEM-Ansätzen ab. Vogler formuliert es deutlich: Wer Endpunkte aus der Cloud heraus in kritischen Infrastrukturteilen untersuchen will, „kommt da einfach nicht hin. Punkt.“
Intune: Ergänzen statt ideologisch ersetzen
Ein wichtiger Aspekt ist die Integration von Microsoft Intune. Statt Intune als Wettbewerber zu behandeln, positioniert Aagon ACMP als führendes System, das Intune ergänzen oder – je nach Bedarf – auch ablösen kann.
Weber beschreibt dabei ein häufiges Kundenszenario: Administratoren müssen erklären, warum zusätzlich zu Microsoft-Verträgen ein weiteres Tool nötig ist. Die Kombinationslogik erleichtert diese Diskussion, weil sie nicht auf „entweder-oder“ hinausläuft. Den Funktionsvergleich formuliert Weber drastisch: „Stand jetzt, das abzubilden, was ACMP in einer Konsole kann, brauche ich bei Microsoft mindestens neun Konsolen. Und davon sind zwei immer noch on-prem.“
Dass Aagon diese Breite liefern kann, hängt auch mit dem modularen Ansatz zusammen. ACMP umfasst inzwischen 18 Module, die Unternehmen nicht zwingend komplett kaufen müssen. Weber betont, dass viele Kunden stufenweise einsteigen: „Dass sie nicht alles auf einmal kaufen müssen, dass sie sagen können: ‚Okay, ich starte mit dem Paket, mache dann das nächste, das nächste, und habe wirklich alles aus einer Hand.‘“
Weniger neue Module, mehr Betriebssicherheit
Mit ACMP 6.9 setzt Aagon neben Hybridfähigkeit vor allem auf Stabilität im Alltag. Dazu gehören unter anderem erweiterte Optionen im OS Deployment, zusätzliche Sicherheitsfunktionen wie Secure Wipe sowie ein ausgebautes Schwachstellenmanagement.
Der Fokus liegt dabei weniger auf der nächsten großen Moduloffensive, sondern auf Feinschliff, Usability und Alltagstauglichkeit. Weber beschreibt es sinngemäß als „Off-Arbeiten“: Bestehende Funktionen werden in V2- und V3-Ausbaustufen verbessert, um den täglichen Betrieb zu vereinfachen.
Ein Beispiel sind typische Update-Konflikte: Viele Systeme werden im Alltag über lange Zeit nicht neu gestartet, Nutzer umgehen Hinweise, und Administratoren stehen zwischen Patch-Pflicht und Betriebsunterbrechung. Genau solche „kleinen“ Probleme sollen künftig stärker automatisiert und administrierbar werden. Für die kommende Version 6.10 kündigt Weber umfangreiche Verbesserungen im Windows Update Management an – auf Basis konkreter Feature-Wünsche aus dem Kunden- und Partnerumfeld.
Technische Grundlage für mehr NIS2-Compliance
Regulatorische Anforderungen wie NIS2 wirken bei Aagon nicht als reines Marketingthema, sondern als Leitplanke für Produktentscheidungen. Vogler und Weber betonen, dass UEM keine Compliance „out of the box“ liefert, wohl aber die technische Grundlage dafür.
Weber macht das an einem zentralen Prinzip fest: Ohne Inventar und konsistente Datenbasis greifen ISMS-, Risikomanagement- oder Compliance-Prozesse ins Leere. Deshalb spielen Schnittstellen eine immer größere Rolle – etwa, um Daten an ISMS-Lösungen weiterzugeben oder Asset-Management-Strukturen zu verbessern.
Besonders deutlich wird das im Public Sector. Vogler beschreibt typische Realitäten aus Kommunen und Behörden: fehlende Ressourcen, hohe regulatorische Last, kaum Personal. Weber schildert dazu einen Kundenfall, bei dem durch ACMP innerhalb weniger Monate mehrere tausend Schwachstellen auf einen zweistelligen Wert reduziert wurden – ein Effekt, der im Tagesgeschäft sonst kaum zu erreichen wäre.
Planbarkeit als Argument – auch für Partner
Neben der technischen Seite rückt auch ein kaufmännischer Faktor stärker in den Vordergrund: planbare, mehrjährige Vertragsmodelle. Gerade in Zeiten volatiler Lizenzpolitik internationaler Plattformanbieter werde es für Entscheider relevanter, dass Preise nicht kurzfristig „ab morgen“ steigen. Weber sagt: „Das ist ein europäisches Produkt. Das heißt, in unserem Fall ja sogar ein deutsches Produkt. Da haut keiner drauf und sagt: ‚So, ab morgen gibt es digitale Tarife oder Ähnliches.‘“
Für Partner bedeutet das zusätzliche Argumentationshilfe: weniger Lizenzüberraschungen, klarere Kalkulation und eine Plattform, die Integrationen und hybride Betriebsmodelle unterstützt.
Fazit
Aagon nutzt den aktuellen Marktwandel, um Unified Endpoint Management neu zu positionieren: nicht als isoliertes Tool, sondern als sicherheitsrelevante Basisdisziplin. Mit ACMP 6.9, einem hybriden Betriebsmodell, stärkerer Integrationsfähigkeit und wachsender Partnerorientierung adressiert das Unternehmen jene Herausforderungen, die IT-Abteilungen aktuell umtreiben – von NIS2 über Cloud-Realitäten bis hin zu Ressourcenknappheit im Betrieb. Oder, wie Jürgen Vogler es formuliert: „Entweder tue ich was richtig oder gar nicht.“