Axis: Computer Vision sicher gedacht
Axis Communications macht aus IP-Sicherheitskameras intelligente Sensoren für Computer-Vision-Anwendungen – von der Fertigung über Logistik bis zum Handel. Entscheidend ist ein durchgängiges Cyber- und Datenschutzkonzept von der Lieferkette bis zum Geräte-Lifecycle.
Steigende Energiepreise, volatile Lieferketten und Fachkräftemangel erhöhen den Druck auf produzierende Unternehmen. Laut einem aktuellen IDC-Bericht, den Axis in EMEA begleitet hat, stufen 49 Prozent der Fertiger die Optimierung ihrer Produktionsprozesse als zentral ein, 48 Prozent sehen industrielle KI-Anwendungen als entscheidenden Hebel für effizientere Qualitätskontrolle und -sicherung. Vor diesem Hintergrund erweitert Axis Communications sein etabliertes Sicherheitsportfolio konsequent in Richtung Computer Vision (KI-basierte Bild- und Videoanalyse).
„Das Axis-Kerngeschäft sind Videokameras für Sicherheitsanwendungen, ganz klassisch Sicherheitskameras. Wir sind der Erfinder der IP-isierung der Kamera“, sagt Tobias Metsch, Regional Director Middle Europe bei Axis Communications, im Gespräch mit connect professional. Längst geht es aber nicht mehr nur darum, Areale zu überwachen oder Personen zu schützen. Mit zunehmender Rechenleistung auf der Kamera und KI-gestützter Bildanalyse werden IP-Kameras zu universellen Sensoren für Business-Intelligence- und Effizienzszenarien.
Anstelle manueller Sichtung analysieren Algorithmen Bildinhalte automatisiert – auf der Kamera („on the Edge“), auf lokalen Servern oder in der Cloud. Häufig reichen Metadaten wie Objektklassen oder Bewegungsrichtungen aus. „Da reichen mir vielleicht Metadaten“, so Metsch. „Die Bildanalyse findet auf der Kamera statt und ich sende dann nur noch die Messages.“ Das spart Bandbreite, senkt Kosten und erleichtert datenschutzkonforme Architekturen.
Besonders weit sind Automotive und industrielle Fertigung, Logistik und Events holen auf, auch der Einzelhandel treibt das Thema voran. Dort geht es etwa um Besucherstromanalysen, Aufenthaltsbereiche und Retail-Media-Szenarien. Wichtig ist aus Sicht von Metsch ein pragmatischer Einstieg: „Wichtig ist, dass man mal anfängt mit den Themen. Die Quick Wins sind sehr schnell da.“ Axis arbeitet mit einem Mehrstufenmodell von einfachen bis komplexen Anwendungen und identifiziert gemeinsam mit Kunden bestehende Bereiche mit unmittelbarem Effizienzpotenzial, bei denen sich Prozesse mit überschaubarem Aufwand verbessern lassen – etwa Paket- oder Koffertracking auf Förderbändern.
Technologische Basis ist der hauseigene System-on-Chip (ARTPEC), das „Gehirn“ der Kameras. Er wurde für Videoanwendungen optimiert und ermöglicht Deep-Learning-Analysen direkt auf dem Gerät – latenzarm, sicher und skalierbar. Die vorinstallierten Analysemodelle werden zunächst mit Axis-eigenen Datensätzen trainiert. Über die Axis Camera Application Platform (ACAP) lassen sich diese Modelle anschließend flexibel erweitern: Integrationspartner oder auch Endkunden können KI-basierte Analyseanwendungen entwickeln, bereitstellen und direkt auf den Kameras ausführen. Dadurch entstehen maßgeschneiderte Lösungen für spezifische Einsatzszenarien – etwa in Fertigung, Logistik oder anderen Branchen –, ohne dass zusätzliche Hardware oder Cloud-Ressourcen erforderlich sind.
Offenes Ökosystem und hybride Architekturen
Axis versteht sich nicht als Anbieter jeder Spezialisierung, sondern als Plattform. Das Unternehmen entwickelt Hardware, Chips, Betriebssystem Axis OS und grundlegende Analysefunktionen, baut darüber hinaus aber auf ein breites Partnernetzwerk. „Wir pflegen ein sehr offenes Netzwerk. Das ist eine unserer Stärken seit vielen Jahren,“ betont Metsch. Über das Technology-Integration-Programm erhalten Softwarepartner sowie Endkunden mit eigenen AI-Teams Zugriff auf Schnittstellen, Video- und Metadaten zur Entwicklung maßgeschneiderter Lösungen.
Auch die Systemarchitektur ist flexibel. „Hybrid ist alles möglich – nur auf der Kamera, klassisch On-Prem oder in der Cloud oder eben on the Edge und mit der Cloud verbunden“, so Metsch. Ein klarer Trend gehe dahin, Edge-Rechenleistung stärker zu nutzen und zentrale Server zu entlasten. Für Cloud-Speicher etwa bindet Axis in Axis Camera Station Cloud Storage den S3-kompatiblen Anbieter Wasabi ein.
Tobias Metsch, Regional Director Middle Europe bei Axis Communications: „Wir pflegen ein sehr offenes Netzwerk. Ein offenes Ökosystem ist seit vielen Jahren eine unserer größten Stärken.“
Für den Channel eröffnet das neue Geschäft rund um Computer Vision zusätzliche Chancen. Axis bleibt beim seit Jahren etablierten zweistufigen Vertriebsmodell über Distribution und Systemhäuser, adressiert zugleich aber neue Partnerprofile, etwa Integratoren mit OT- und Fertigungsfokus. Je nach Geschäftsmodell und Spezialisierungsgrad reagieren Partner unterschiedlich – vom Security-Integrator, der sein Portfolio schrittweise Richtung Prozessoptimierung erweitert, bis hin zu spezialisierten Industrie-Dienstleistern, die Axis-Kameras primär als Sensorplattform verstehen. Smarte Sensorik schafft damit neue Rollenprofile: Weg vom reinen Security-Integrator hin zum Prozesspartner der Industrie.
Cybersicherheit als gemeinsame Verantwortung
Je intelligenter und vernetzter Kameras werden, desto mehr steigt der Stellenwert von Cybersicherheit, Datenschutz und Compliance. „Wie wir wissen, ist jedes mit dem Netz verbundene Gerät ein potenzielles Schwachstellenrisiko“, warnt Metsch. „Axis setzt deshalb auf einen durchgängig dokumentierten Sicherheitsansatz, der von der internen IT über die Lieferkette bis zum Produktlebenszyklus reicht.“
Die aktuelle Cybersecurity-Broschüre von Axis definiert Sicherheit als gemeinsame Verantwortung von Herstellern, Distributoren, Integratoren, Endkunden und Forensikern. Endkunden müssen Richtlinien, Rollen- und Passwortkonzepte etablieren und Updates konsequent einspielen. Integratoren sind gefordert, Härtungsleitfäden umzusetzen und Lifecycle-Prozesse zu begleiten. Hersteller wiederum müssen sichere Entwicklungsprozesse, nachvollziehbare Lieferketten und integrierte Schutzmechanismen gewährleisten.
Axis verweist zudem auf ein ISO-27001-zertifiziertes Informationssicherheits-Managementsystem, das eigene Axis Security Development Model (ASDM) für sichere Softwareentwicklung, das Linux-basierte Betriebssystem Axis OS und die hardwarebasierte Plattform Axis Edge Vault. Letztere schützt Identitäten und Schlüssel, stellt signierte Firmware sicher und ermöglicht sicheres Booten. Als CVE Numbering Authority veröffentlicht Axis Schwachstellen transparent und liefert zeitnah Patches.
Zero Trust, Lifecycle und Regulierung im Blick
Auch auf Netzwerkebene orientieren sich die Schweden an aktuellen Best Practices. Axis-Geräte unterstützen Zero-Trust-Architekturen mit eindeutigen Geräte-IDs, HTTPS, IEEE 802.1X-Authentifizierung und optional MACsec-Verschlüsselung. „Secure by default“-Vorgaben wie eigene Zugangsdaten und deaktivierte unnötige Dienste reduzieren Angriffsflächen bereits bei der Inbetriebnahme.
Ein zweiter Baustein ist das konsequente Lifecycle-Management. Da Bedrohungslagen und Regulierung – Stichwort NIS2 und Cyber Resilience Act – ständig nachschärfen, kann die wirtschaftliche Lebensdauer einer Kamera deutlich kürzer sein als ihre technische. Axis bietet hier nach eigenen Angaben branchenführend langen Support, liefert regelmäßig OS-Updates und bietet mit Axis Device Manager und Axis Device Manager Extend Tools für Inventarisierung, Härtung und zentrale Updateprozesse.
Für Betreiber und Channel-Partner bedeutet das: Die Investitionsentscheidung für eine Kameraplattform ist immer auch eine Entscheidung für ein bestimmtes Sicherheits- und Update-Versprechen. Billige, schlecht gepflegte Lösungen können durch fehlende Patches schnell zum Einfallstor für Angreifer – und mit Blick auf neue Haftungsregime teuer – werden. Axis positioniert sich hier bewusst als Premiumanbieter, der in Lieferkettensicherheit, Compliance und Transparenz investiert, um seine Rolle als „ermöglichender“ Technologiepartner für Computer Vision langfristig zu sichern.
Praxisbeispiel BMW: Effizienz in der Fahrzeugproduktion
Wie sich die Computer Vision-Strategie konkret umsetzen lässt, zeigt ein aktueller Anwenderbericht aus der Automobilindustrie. In BMW-Werken werden Axis-Kameras als intelligente Sensoren in der Fahrzeugproduktion genutzt. Sie unterstützen beim Monitoring, erkennen Abweichungen frühzeitig und helfen bei der Qualitätssicherung – ohne dass Mitarbeiter Videomaterial sichten müssen. Stattdessen entstehen kontextbezogene Metadaten, die sich direkt in Industrieprozessen weiterverarbeiten lassen.
Das Beispiel verdeutlicht den Wandel: IP-Kameras sind längst mehr als reine Videolieferanten. Sie werden Teil digital vernetzter Produktions- und Logistiksysteme. Gleichzeitig bleibt Security ein zentraler Pfeiler. „Unser Kerngeschäft ist die Videosicherheit“, sagt Metsch. „Wir schauen, was es da noch herum gibt – wo wir Synergien aus Hardware und Kundenseite heben können.“