Europas Rechenzentren: Neue Kapazitäten dringend nötig
Die Nachfrage ist da. Aber bei der Bereitstellung neuer Rechenzentrumskapazitäten hapert es in Europa. Zu diesem Schluss kommt der Report „Data Centre Truths 2026“ von BCS Consultancy.
Die Nachfrage nach Rechenzentren bleibt in ganz Europa hoch, aber die Fähigkeit, neue Kapazitäten bereitzustellen, entwickelt sich regional immer unterschiedlicher. Das ist das Fazit des aktuellen Reports „Data Centre Truths 2026: What it takes to deliver in 2026" von BCS Consultancy.
Das globale Beratungs- und Projektsteuerungsbüro für Rechenzentren hat darin die Antworten von mehr als 3.000 Teilnehmern aus 41 Ländern analysiert, Der Branchenreport beleuchtet die konkreten Herausforderungen, mit denen die Branche in Europa konfrontiert ist und liefert einen umfassenden und praxisnahen Einblicke in den europäischen Rechenzentrumsmarkt.
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Die zentrale Frage: Wie kann die hohe Nachfrage erfüllt werden?
Europaweit bleibt die Nachfrage nach Datacenter konstant hoch. 93 Prozent der Befragten erwarten ein anhaltendes Wachstum in den nächsten 12 Monaten. 78 Prozent haben im vergangenen Jahr einen spürbaren Nachfrageanstieg im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz (KI) verzeichnet.
Die größte Herausforderung besteht den Analysten zufolge jedoch nicht mehr darin, ob der Markt wächst, sondern wo und wie dieses Wachstum tatsächlich realisiert werden kann. Die Studie zeigt eine zunehmende regionale Divergenz, da Verfügbarkeit von Strom, Fachkräftemangel, komplexe Genehmigungsverfahren, Volatilität der Lieferketten und KI-Readiness bei denselben Projekten immer häufiger aufeinanderprallen.
„Der europäische Rechenzentrumsmarkt verlangsamt sich nicht, aber die Umsetzung wird zunehmend ungleichmäßiger", sagte James Hart, CEO von BCS Consultancy. „Zum ersten Mal reicht es nicht mehr aus, sich um Stromversorgung zu kümmern und sich Baugenehmigung zu sichern – das sind im Jahr 2026 lediglich die Eintrittskarten. Der Druck hinsichtlich Stromversorgung, ausreichend Nutzfläche und Rack-Leistungsdichte entscheidet weiterhin, wie schnell die KI-Nachfrage in einsatzfähige Kapazitäten umgewandelt werden kann."
Nicht die Nachfrage ist der limitierende Faktor
Die Umsetzungskapazität, nicht die Nachfrage, ist nun der primäre Engpass, wobei 95 Prozent der Befragten erwarten, dass die Verfügbarkeit von Fachkräften weiter zurückgehen wird.
Fachkräftemangel hat bereits wirtschaftliche Konsequenzen, die sich mit Verzögerungen, Mehrkosten oder sogar Auftragsverlusten bemerkbar machen.
Die Nachfrage nach KI nimmt zu, dennoch gelten heute nur 20 Prozent der Rechenzentren als KI-fähig, was eine wachsende Diskrepanz zwischen Ambition und tatsächlicher Umsetzungsfähigkeit offenbart.
Da 70 Prozent der Befragten erwarten, dass geopolitische Ereignisse die lokale Erzeugung erneuerbarer Energien beschleunigen werden, rücken bei Standortentscheidungen Resilienz, Energiesicherheit und gesellschaftliche Auswirkungen in den Vordergrund der Nachhaltigkeitsprioritäten.
Lokale Umsetzungskompetenz wird zum Wettbewerbsvorteil
Der Report liefert zudem länderspezifische Einblicke für Großbritannien, die DACH-Region, Italien, die Nordics, die Iberische Halbinsel und Frankreich und zeigt, wie sich Umsetzungshemmnisse je nach Region unterscheiden. Darüber hinaus richtet der Bericht seinen Blick auch über Europa hinaus und blickt auch auf den interessanten Markt im Nahen Osten.
Lokale Umsetzungskompetenz entwickelt sich zunehmend zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil. In einigen Regionen dominieren Netzanschluss und Warteschlangen im Stromnetz das Lieferrisiko; in anderen erweisen sich Fachkräfteverfügbarkeit, regulatorische Hürden oder die Reihenfolge der Ausführungsschritte als ausschlaggebend.
„Was sehr deutlich hervortritt, ist, dass das Umsetzungsrisiko nicht länger theoretischer Natur ist", so Hart. „Projekte werden auf Grundlage der tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort beeinflusst, verzögert oder ganz aufgegeben. Die Fähigkeit, die Umsetzung zu koordinieren und zu strukturieren, ist zu einem entscheidenden Faktor geworden, der darüber bestimmt, wer am schnellsten auf den Markt kommt."
Der Report „Data Centre Truths 2026“ wurde entwickelt, um Betreiber, Entwickler, Investoren und politische Entscheidungsträger dabei zu unterstützen, sich in einem zunehmend eingeschränkten und komplexen Umsetzungsumfeld zurechtzufinden. Der Bericht enthält neben den Zahlen auch Expertenkommentare von BCS-Führungskräften, die direkt an laufenden europäischen Projekten arbeiten, und bietet praktische Einblicke, wie Organisationen ihre Umsetzungsstrategien als Reaktion darauf anpassen.