„Ware wird knapper, aber mit besserer Marge verkauft”
Die Lieferprobleme und Preiserhöhungen bei Speichern befeuern die Nachfrage nach wiederaufbereiteten PCs. Die Geschäfte von Refurbishern wie Afb laufen daher gut. Die Engpässe haben aber durchaus auch negative Auswirkungen, wie Afb-Geschäftsführer Daniel Büchle berichtet.
Die Lieferengpässe und Preissteigerungen bei Speicherkomponenten lassen auch die Refurbisher nicht ungeschoren. Zunächst einmal sei die Auswirkung natürlich positiv, wie Daniel Büchle, CEO von Afb, bei der Vorstellung des Wirkungsberichts 2025 erzählt. Denn viele Firmen bekommen aktuell nur schwer Geräte. „Firmen sagen uns, unser Herstellervertreter kann uns derzeit weder Preise noch Lieferzusagen geben”, berichtet Büchle. Der Afb-Chef bekommt die Probleme sogar selbst zu spüren. Denn sein bestelltes Notebook lässt ebenfalls auf sich warten. Wiederaufbereitete Geräte seien daher für viele Kunden eine gute Alternative, so Büchle: „Alle Refurbisher verkaufen im Moment sehr gut.” Selbst fünf bis sechs Jahre alte Notebooks seien gefragt.
Die Kehrseite der Medaille sind Probleme bei der Beschaffung von ausgemusterten Geräten. Denn viele Unternehmen nutzten ihre vorhandene Hardware deutlich länger. „Ganz viele Leasingverträge werden gerade verlängert. Für uns bedeutet das, wir kommen später an die Geräte“, berichtet der Afb-Chef. „Uns geht es noch gut, weil wir zu den Großen der Branche gehören. Aber das Thema kommt so langsam bei uns an - auch in anderen Märkten, wie Österreich oder Frankreich. Und alle sagen, vor dem nächsten Jahr wird es nicht besser.”
Ihn erinnere die Situation stark an die ersten beiden Corona-Jahre, so Büchle. „Die Ware wird knapper, aber vorhandene Ware wird mit besserer Marge verkauft”.
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Ökobilanz erneut verbessert
Der nach eigenen Angaben größte gemeinnützige IT-Refurbisher Europas ist auch deshalb weiter auf Wachstumskurs. Seit der Gründung vor über 20 Jahren sei es, mit Ausnahme der Corona-Delle 2020/21, stetig bergauf gegangen, erzählt Büchle bei der Vorstellung des Wirkungsberichts 2025. Die Zahl der eingesammelten Geräte und die Reuse-Quote stiegen kontinuierlich.
Im abgelaufenen Jahr 2025 sei die Reuse-Quote erneut um 2 Prozent auf 71 Prozent gestiegen. Das bedeutet, dass etwa sieben von zehn abgeholten Geräten in das Remarketing gehen. 8,5 Prozent mehr Geräte wurden bei Firmen abgeholt und auch deutlich mehr Serviceleistungen fakturiert.
Anhand des Vergleichs der aufbereiteten Geräte mit dem Ressourcenbedarf eines Neugeräts kann Afb die Ökobilanz genau beziffern: Danach wurden im Jahr 2025 68.200 Tonnen CO2-äquivalente Treibhausgase, 261.400 Megawattstunden Primärenergie und 483 Millionen Liter Wasser eingespart. Ebenfalls gespart wurden 33.500 Tonnen Eisen-äquivalente Rohstoffe wie Metalle und Kunststoffe, sowie 371.000 Tonnen 1,4-DB-äquivalente (Dichlorbenzol) humantoxische Stoffe. Sowohl bei der Vermeidung klimaschädlicher Emissionen als auch bei eingesparter Primärenergie konnte Afb die Vorjahreswerte mit einem Plus von 9,7 Prozent bei Emissionen bzw. 12 Prozent bei Energie deutlich übertreffen. Da jedes abgegebene Gerät genau erfasst wird, erhalten die Partner ebenfalls jährlich exakte Zahlen zum Impact auf Umwelt, Klima und Inklusion. Das sei vor allem wertvoll für deren ESG-Nachhaltigkeitsberichterstattung, betont der Manager.
Datacenter-Markt eröffnet neue Geschäftschancen
2025 verzeichnete Afb laut Büchle „zweistellige Umsatzsteigerungen” - „B2B wie B2C und über alle Vertriebskanäle hinweg”.
Und damit das so bleibt, baut der Refurbisher sein Geschäft kontinuierlich aus. Büchle hat das Dienstleistungsportfolio erfolgreich in Richtung Leasing und Device-as-a-Servive erweitert: „Wir etablieren uns als relevanter Player bei Langzeitmieten”. Wichtig seien aber auch Partnerschaften mit entsprechenden Anbietern in diesem Bereich, „sonst gehen diese Geräte an uns vorbei”, meint der Manager.
Er sieht noch jede Menge Geschäftschancen für die Wiederaufbereitung von Hardware. Dafür sorge allein das rasante Wachstum im Datacenter-Bereich. Afb werde sich in diesem Marktsegment mit Geräten wie Servern, Router und Switches weiter professionalisieren.
Auch in Richtung KI sei einiges geplant. Wir sehen hier Einsatzmöglichkeiten im Refurbishment, auch um beeinträchtigte Mitarbeiter bei Afb besser zu unterstützen.