Zentralisierung
- Banken trimmen ihre IT auf Standards
- Zentralisierung
- Externe Dienstleister
Auf Seiten der Software-Entwicklung und des Infrastrukturumbaus bedeutet dieser Trend eine zunehmende Konzentration von Kernprozessen in einem zentralen ITSystem, das um zusätzliche fachliche Funktionen für den so genannten Marketingkreislauf (MKL) erweitert wird. Dazu gehören analytische Methoden zur Identifizierung von Kundenbedürfnissen sowie die gezielte Ansprache von Kundensegmenten. Sogar individuelle Applikationen für spezialisierte Niederlassungen lassen sich über eine zentrale Plattform managen: »Es gibt einen Trend zur zentralen Verantwortung vom Anwendungs- bis zum Client-Betrieb, der beispielsweise auch den Kassenbetrieb unter Verwendung von Full Serviced Thin Clients einschließt «, sagt Werner Helmke, Programmleiter ZPP bei FinanzIT.
Einig sind sich die Marktbeobachter, dass fortschrittliche IT-Systeme und eine schlanke Kostenstruktur zur Wertschöpfung der Banken beitragen. Beispielsweise spielen Internet-Filialen und gut gemachte Online-Banking-Auftritte nicht nur bei den Direktbanken eine wichtige Rolle für die Produktpräsentation. Auch klassische Institute steigern ihre Margen durch Online- Anträge für Kredite und Tagesgeld. Der Anteil der Geschäftskontakte via Internet liegt im Sparkassenverbund bei durchschnittlich 80 Prozent, während sich die Quote legitimierter Online-Anträge teilweise verzehnfacht hat.
Weitere Impulse für Migrationsprojekte kommen durch die Einführung der Single Euro Payments Area (Sepa), die seit diesem Jahr für den europäischen Zahlungsverkehr gilt. Schrittweise geht es dabei um die Implementierung eines einheitlichen Datenformats in Form von Sepa-Zahlungen auf XML-Basis, die proprietäre Zahlungsvorgänge ersetzen. Betroffen davon sind nicht nur Banken und Finanzdienstleister, sondern auch Unternehmen. »Neue Regularien können der Startschuss für umfangreichere IT-Projekte sein«, sagt Wolfgang Günther, Vorstandschef der Berliner Consultingfirma WG-Data, einem Software-Partner von Hewlett-Packard.
Spektakuläre Handelsverluste sowie die zunehmende Gefahr durch Manipulationen oder andere missbräuchliche Eingriffe verstärken laut Günther die Anstrengungen der Institute, geschäftskritische Prozesse besser abzusichern. Das gilt auch für die Beziehungen zu den Geschäfts- und Servicepartnern: »Ich denke an zertifizierte und gesicherte Workflows, die ein aktives Prozessmonitoring auch über die eigenen Unternehmensgrenzen hinaus ermöglichen«, betont Günther. Zudem fördert die zunehmende Integration von Kunden- und Bankprozessen die Einführung von Serviceorientierten Architekturen (SOA) und Web 2.0-Technologien, »da die unternehmensübergreifende Nutzung von standardisierten Anwendungen auf diese Weise erheblich einfacher wird«, erläutert Günther.
Der Abbau individuell gefertigter Spezialanwendungen ist im Bankenumfeld seit einigen Jahren im Gange. Inzwischen bevorzugen Banken »eindeutig Standard- Software gegenüber Individual-Software«, beobachtet Günther. Neben dem wachsenden Kostendruck, der sich aus dem Wartungs- und Update-Aufwand für heterogene Applikationslandschaften einstellt, beklagen Systemadministratoren immer häufiger Performance-Schwächen allzu schwerfälliger Legacy-Systeme und das schwierige Monitoring von mehreren hundert Anwendungen in verzweigten Filialsystemen. Der Trend wird sich in Zukunft weiter fortsetzen, allerdings kann Standard-Software nicht jede andere Anwendung ersetzen. Fachleute bei FinanzIT schätzen, dass etwa die Hälfte der in Banken und Filialen eingesetzten Software aus Standardkomponenten besteht, während in Zukunft der Anteil standardisierter Programme bei 70 Prozent liegen werde.
Es sind nicht nur Großbaustellen, die das Partner- und Dienstleistungsgeschäft ankurbeln. Der SAS-Partner HMS Analytical Software aus Heidelberg hat sehr spezielle Kenntnisse im Bereich automatisierter Validierungsprozesse für Rating- Verfahren. Dabei geht es um Software- Tools zur Bewertung von Kunden- Bonitäten im Rahmen der Kreditvergabe gemäß Basel II. Die Dresdner Bank benötigte dafür ein standardisiertes Rating-Verfahren, das Kundengruppen hinsichtlich Ratio und Scores zuverlässig validiert. Kein einfaches Unterfangen, wie sich HMS-Consulter Klaus Landwich erinnert: »Wir hatten es hier mit komplexen Statistikroutinen zu tun, die mit einem automatischen Reportingsystem gekoppelt sind.«