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Neue Chancen für den HPE-Channel

HPE auf dem Weg zum globalen Netzwerk-Riesen

Auf seiner Kundenkonferenz HPE Discover hat HPE Ende 2025 eine Vielahl neuer Produkte sowie Erweiterungen für GreenLake, OpsRamp und Morpheus vorgestellt. Im Mittelpunkt stand jedoch die Integration von Juniper, durch die der Hersteller im Netzwerkmarkt zum größten Konkurrenten von Cisco aufsteigen will.

Autor: Michaela Wurm • 27.1.2026 • ca. 4:55 Min

HPE-Chef Antonio Neri auf der Discover 2025 in Barcelona
HPE-Chef Antonio Neri auf der Discover 2025 in Barcelona
© HPE

Fünf Monate nach der Übernahme von Juniper Networks hat HPE Ende des vergangenen Jahres auf seiner Kunden- und Partnerkonferenz Discover in Barcelona zahlreiche Integrationen und Neuheiten vorgestellt, die das KI-native Netzwerkmanagement, die Leistung von KI-Infrastrukturen und das Management hybrider IT-Umgebungen verbessern sollen.

Das Interesse der deutschen Partner und deren Kunden sei dieses Jahr so hoch gewesen wie nie, betonte Gerry Steinberger, Leiter Channel und Partner-Ökosystem Deutschland bei HPE, im Gespräch mit connect professional. Allein 800 deutsche Teilnehmer waren in Barcelona dabei, davon waren 500 Partner und deren Kunden.

Der neue Fokus auf Networking war dabei sicher ein großer Anreiz für die Partner. „Networking ist unsere Top Story”, bestätigt auch Steinberger. HPE sei jetzt schon im Prinzip eine Networking Company und auf dem Weg, der „Networking Leader“ zu werden.

Die Auswirkungen auf den von ihm verantworteten deutschen Channel seien jetzt schon sichtbar: „Auch wir im deutschen Channel werden sehr stark am Thema Networking gemessen“, so Steinberger.

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Neue Networking-Chancen für HPE-Partner

Die Integration von Juniper bietet den HPE-Partnern jede Menge neue Geschäftschancen in diesem Marktsegment. Und neue Chancen braucht es, denn für das deutsche Partner-Business hat Steinberger auch eine lange Liste von Herausforderungen zusammengestellt, denen es sich 2026 zu stellen gilt.

Die Themen seien nicht auf Deutschland beschränkt, viele seien global, wie die sich zuspitzenden Speicherkrise, von der HPE auch betroffen sei, wie Steinberger berichtet. „Wir kommunizieren das aber auch offen an unsere Partner und versuchen, pragmatische Lösungen zu finden“. Als Beispiel nennt der Manager, dass Projektangebote jetzt 30 Tage gültig blieben.

Gerry Steinberger, Leiter Channel und Partner-Ökosystem Deutschland bei HPE
Gerry Steinberger, Leiter Channel und Partner-Ökosystem Deutschland bei HPE
© HPE

Dass die Engpässe nicht in einigen Wochen oder Monaten behoben sein dürften, hatte auch HPE-Chef Antonio Neri auf der Discover klargestellt. Der CEO verglich in einem Fireside Chat die Auswirkungen sogar mit denen der Covid-Zeit. Er gehe davon aus, dass die Verknappung noch das ganze Jahr 2026 hindurch anhalten werde, so Neri: „Was die Komponenten angeht, sieht es ein wenig so aus wie zu Beginn der Covid-Pandemie: Es geht vor allem um die Zuteilung der Lieferungen, was zu Kostensteigerungen führt. Übrigens haben wir bereits im November Preiserhöhungen vorgenommen. Das ist also bereits umgesetzt.“ Der CEO versicherte den HPE-Partnern zudem: „Wir verfügen über sehr starke Kapazitäten in unserer Lieferkette, um die Zuteilung der benötigten Komponenten sicherzustellen, und wir sind diszipliniert darin, die Kosten über unsere Preisgestaltung weiterzugeben, was wir, wie gesagt, bereits im November getan haben.“

Der frühere Juniper-CEO Rami Rahim leitet jetzt als Präsident und General Manager HPE Networking
Der frühere Juniper-CEO Rami Rahim leitet jetzt als Präsident und General Manager HPE Networking
© HPE

Ganz besonders den deutschen Markt treffen jedoch noch weitere Herausforderungen wie die anhaltende Inflation und knappe IT-Budgets sowie der Fachkräftemangel speziell in Feldern wie AI, Cloud, Edge und Security. Als wichtige Themen für das kommende Jahr nennt Stienberger die Multi-Cloud-Komplexität, auch im Hinblick auf digitale Souveränität (Stichwort Repatriation), Nachhaltigkeit, zunehmende Cybersicherheitsbedrohungen, sowie für den Channel das „superwichtige“ Thema Zertifizierungen, bei denen HPE seine Partner begleiten wolle.

Mehr Partner, neue Geschäftsfelder

Juniper mit seinem Netzwerk-Portfolio aber auch seinen spezialisierten Partnern bietet auch für HPEs Partner-Ökosystem neue Chancen. Die Themen seien im Partnerprogramm bereits integriert, ebenso die Networking Teams, so Steinberger.

Rund 200 deutsche Partner bekommt der deutsche Channel durch Juniper jetzt dazu. Das gemeinsame Partnerprogramm „Partner Ready Vantage“ ist wie angekündigt zum Beginn des neuen Geschäftsjahres am 1. November 2025 schon gestartet. In ihm hat der Hersteller alle seiner insgesamt elf Channel-Programme zusammengeführt (connect professional berichtete). „HPE Partner Ready Vantage“ soll allen HPE-Partnern ein einheitliches Vergütungsmodell, einheitliche Regeln und Verfahren bieten.

Die Partner haben jetzt die Möglichkeit in jeder der drei Säulen – Networking, Compute und (Hybrid) Cloud – mit Erreichen des Mindestumsatzes eine der Edelmetallstufen Plantinum, Gold oder Silber zu erreichen. Business-Partner starten ab 90.000 Dollar Umsatz.

Neu ist seit der Discover in Las Vegas 2025 auch die Möglichkeit „Triple Platinum+“ zu erreichen, also in allen drei Säulen den Platinum-Status (connect professional berichtete).

In Deutschland haben das laut Steinberger bereits vier Partner geschafft, vier weitere Kandidaten stehen kurz davor.

Auch unter den Juniper-Partnern seien einige, die im Netzwerkgeschäft die Thresholds und damit Platinum-Status erreichen können. Steinberger sieht gute Chancen, sie für zusätzliches Geschäft auch in einer der beiden anderen Bereiche zu gewinnen.

Juniper beschert Netzwerksparte Umsatzplus

Das Ende Oktober 2025 abgeschlossene 4. Quartal verlief für HPE äußerst zufriedenstellend, wie Steinberger betont. Mit einem Gesamtumsatz von 9,68 Milliarden Dollar sei das eine sehr starkes Quartal gewesen. Der HPE-Konzern habe noch nie mehr erwirtschaftet, „Wir hatten noch nie 10 Milliarden Euro“, so Steinberger. Der enorme Umsatzzuwachs von 150 Prozent in der Netzwerksparte gehe natürlich auf das Konto des in diesem Jahr übernommenen Netzwerk-Riesen Juniper, dessen Umsätze hier bereits eingerechnet sind.

Mit einem Gesamtumsatz von 2,8 Milliarden Umsatz liegt die Netzwerksparte allerdings noch deutlich hinter der Compute-Sparte, die 4,4 Milliarden Dollar erlöste. HPE sei mit seinem Kerngeschäft mit Servern mehr als zufrieden, betont Steinberger. Das transaktionale Standardgeschäft mit (x86)-Servern bleibe wichtig, nicht nur die Services. „Wir bei HPE haben den Anspruch beides zu bedienen“.

Strategische Züge macht Gerry Steinberger nicht nur am Schachbrett im Münchner Office von HPE
Strategische Züge macht Gerry Steinberger nicht nur am Schachbrett im Münchner Office von HPE, wo connect professional-Chefreporterin gleich mal die Eröffnung mit dem Königsgambit kontern musste
© HPE

HPE-Netzwerkprodukte sollen Cisco Marktanteile abnehmen

Auch produktseitig war die Integration von Juniper auf der Discover das Thema. Der Bereich heißt bei HPE ab jetzt HPE Networking. Darunter bleiben aber die Marken HPE Aruba Networking und HPE Juniper Networking erhalten - auch für neue Produkte, wie Steinberger betont.

Auf der Discover stellte HPE unter anderem das neue kombinierte Netzwerkportfolio von Aruba und Juniper vor, mit denen der Hersteller sich gegen Marktführer Cisco in Position bringt.

Eine wichtige Neuerung ist die Integration der Management-Plattformen HPE Aruba Networking Central und HPE Juniper Networking Mist. Die neue kombinierte Produktpalette verlagert wichtige KI-Netzwerkfunktionen von Juniper Mist zu HPE Aruba Networking Central, während gleichzeitig die KI-Technologie von HPE Aruba zu Mist wandert.

Außerdem wurden neue Netzwerk-Produkte für KI-Umgebungen angekündigt. Denn mit steigender Leistungsfähigkeit der KI-Serverinfrastrukturen erwartet der Hersteller auch zunehmende Nachfrage nach Höchstleistungs-Routern und -Switches für Kern- und Edge-Netze. Dafür führt HPE unter anderem den neuen „Switch HPE Juniper Networking QFX5250“ ein, der mit Flüssigkeit gekühlt und mit AIOps verwaltet wird.

Kunden suchen nach Virtualisierungs-Alternativen

Auch Virtualisierung sei für die Partner ein heißes Thema, berichtet Steinberger. Angesichts knapper Budgets drücken viele Unternehmenskunden die seit der Broadcom-Übernahme massiv gestiegenen Lizenzkosten für VMware. Viele seien daher auf der Suche nach einer alternativen Virtualisierungslösung. Mit „HPE Morpheus VM Essentials“ (VME) könne HPE eine günstigere Alternative zu VMware bieten.

Auch AI sei für die Partner eine Riesen-Chance. Allerdings dürften die sich nicht darauf verlassen, dass der Hersteller ihnen irgendwann fertige AI-Lösungen zur Verfügung stelle. Es sei vielmehr Aufgabe der Partner, bei ihren Kunden Einsatzszenarien zu suchen und idealerweise Proof of Concepts, also Demolösungen zu entwickeln. Das könne ein Supergeschäft werden, so der Channel-Chef. Die Partner müssten sich weiterentwickeln, denn mit klassischen Reselling ließe sich immer weniger Geld verdienen, dafür aber umso mehr mit der Vielzahl neuer Möglichkeiten von AI bis Virtualisierung.