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HAMR, UltraSMR und Dual Pivot für KI-Skalierung

WD schärft HDD-Roadmap für KI-Workloads

Der KI-Boom katapultiert die Nachfrage nach Speicherlösungen in neue Dimensionen. Western Digital (WD) reagiert mit einer klaren 100TB+-Roadmap, UltraSMR-Technologie und Performance-Innovationen und rückt die HDD strategisch ins Zentrum der AI-Infrastruktur.

Autor: Diana Künstler • 19.3.2026 • ca. 4:25 Min

Roadmap 2026
© oatakoi – shutterstock.com
Inhalt
  1. WD schärft HDD-Roadmap für KI-Workloads
  2. Glossar: Zentrale Begriffe rund um das Thema HDD und AI-Infrastruktur

Die Speicherbranche erlebt eine tektonische Verschiebung. „Wir sehen aktuell ein Wachstum bis 2030 in diesem Bereich Cloud plus KI bei 25 Prozent jährlich“, sagt Uwe Kemmer, Director EMEAI Field Engineering bei WD. Tatsächlich zeigen auch die jüngsten Geschäftszahlen von WD eine ähnliche Dynamik: Im Jahresvergleich wuchs der Umsatz zuletzt um rund 25 Prozent. Bereits heute stammen „90 Prozent unseres Umsatzes aus KI- und Cloud-Anwendungen“, sagt Kemmer. Speicher ist damit nicht länger nur skalierbare Infrastruktur, sondern strategischer Bestandteil von KI-Architekturen.

Die Ursache ist klar: KI-Trainings- und Inferenzmodelle erzeugen und verarbeiten enorme Datenmengen. „Durch KI, durch die enorme Datenmenge, die verarbeitet werden muss, gespeichert werden muss, wieder neu trainiert werden muss, ist es sehr stark gewachsen“, so Kemmer. Damit rückt die Festplatte wieder in den Fokus strategischer Infrastrukturentscheidungen. Laut Kemmer werden aktuell rund 80 Prozent der Daten im AI-Cloud-Bereich auf Festplatten gespeichert. Das liege vor allem an der Kostenstruktur und der hohen Kapazitätsskalierung von HDD-Systemen – und werde sich kurzfristig auch nicht grundlegend ändern. Flash bleibe für bestimmte Performance-Layer essenziell, doch die Preisdifferenz – inzwischen „Faktor 10 zu QLC Flash“ – unterstreiche die wirtschaftliche Rolle der HDD in der KI-Ökonomie.

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el Uwe Kemmer, WD
Uwe Kemmer, Director EMEAI Field Engineering bei WD: „Wir müssen die Festplatte neu denken, um KI wirtschaftlich skalieren zu können.“
© Western Digital

Diese Transformation zeigt sich auch organisatorisch. Nach der Abspaltung vom SSD-Geschäft ist das WD-Team deutlich schlanker aufgestellt. „Früher war es, als wir noch die SSDs hatten, deutlich mehr gewesen vor dem Split.“ Heute betreut Uwe Kemmer mit einem kompakten, international verteilten Team große Hyperscaler und Cloud-Kunden. Die Quantität der Kunden habe sich verändert – weniger, dafür deutlich größere Accounts.

UltraSMR und HAMR: Kapazität wird Pflicht

Die KI-Datenexplosion zwingt zu massiven Kapazitätssteigerungen. Ein zentraler Hebel ist Shingled Magnetic Recording (SMR). Durch überlappendes Schreiben lassen sich 20 bis 25 Prozent mehr Datendichte erzielen. WD ergänzt dies mit erweiterten Fehlerkorrekturen unter dem Label UltraSMR. „Ohne dieses Shingled Magnetic Recording kann man die enormen Kapazitätssteigerungen nicht erfüllen“, betont Kemmer. SMR sei zwar seit Jahren im Einsatz, gewinne aber jetzt massiv an Bedeutung. Perspektivisch werde ein Großteil der ausgelieferten Nearline-HDDs auf dieser Technologie basieren.

Die Herausforderung: SMR erlaubt nur sequenzielles Schreiben. Hyperscaler passen ihre Software-Architekturen entsprechend an. Für Channel- und Integrationskunden kooperiert WD mit Partnern wie Leil Storage (Estland) und Swiss Vault (Schweiz), die geeignete Dateisystem- und Pooling-Lösungen bereitstellen. Auch moderne Dateisysteme wie XFS oder Btrfs unterstützen SMR zunehmend. SMR wird damit vom Spezialfall zum strukturellen Standard – ein Paradigmenwechsel im HDD-Markt.

Parallel treibt WD Heat Assisted Magnetic Recording (HAMR) voran. Erste 40-TB+-Modelle gehen in die Qualifikation, 100 TB bis 2029 gelten als realistisch. Solche Roadmaps kommuniziert das Unternehmen nach eigenen Angaben nur sehr konservativ – und nur dann, wenn sie als realistisch eingeschätzt werden. HAMR und SMR sind dabei keine Gegensätze, sondern kombinierbare Technologien. Ohne diese beiden Ansätze sei es „nicht mehr möglich, die Kapazität in den Bereich von 100 Terabyte in 2029 zu steigern“.

WD setzt dabei bewusst auf evolutionäre Integration. Neue Generationen sollen ohne disruptive Systemumbrüche einsetzbar sein. Firmware-Stämme bleiben konsistent, Kapazitätssteigerungen bauen auf bestehenden Plattformen auf. Der Anspruch: möglichst flüssige Migration statt aufwendiger Neuqualifizierung.

Ultrastar DC HC690, WD
Ultrastar DC HC690 von Western Digital: Die Nearline-HDD ist für den Einsatz in Cloud- und KI-Infrastrukturen ausgelegt und nutzt Technologien wie UltraSMR zur Erhöhung der Speicherdichte.
© Western Digital

Performance als neue Engstelle

Mit steigender Kapazität sinken die IOPS pro Terabyte – ein kritischer Punkt für KI-Workloads. „IOs pro Terabyte sind essentiell“, so Kemmer. Geschwindigkeit dürfe nicht zum Argument für Flash werden.

Hier setzt WD mit zwei Technologien an: High Bandwidth Drive Technology ermöglicht paralleles Lesen mehrerer Spuren. „Wir fangen an mit zwei gleichzeitigen Datenstreams; das Potenzial ist bis achtfach da“. Ergänzend führt WD einen neuen Dual-Pivot-Ansatz ein. Anders als frühere Dual-Actuator-Designs kombiniert er doppelte Geschwindigkeit mit höherer Scheibendichte. Kemmer spricht aus Ingenieurssicht von „einer richtigen Revolution, die wir gerade haben“. Erste Qualifikationen starten 2027, der Massenmarkt folgt 2028.

Energie wird zum limitierenden Faktor

Neben Performance rückt Energieeffizienz ins Zentrum. Rechenzentren stoßen zunehmend an physische Grenzen. „Energie ist der limitierende Faktor“, warnt Kemmer. Power-Optimized Drives sollen rund 20 Prozent weniger Energie verbrauchen – bei etwa zehn Prozent Performanceeinbuße. Die Balance aus Drehzahl, Armgeschwindigkeit und Datendichte wird neu austariert, um TCO und Nachhaltigkeit zu verbessern.

Der Druck ist hoch: Die Preisdifferenz zu QLC-Flash liege inzwischen bei „Faktor 10“. Technologisch werde diese Differenz bestehen bleiben. Deshalb verschiebe sich die HDD zunehmend vom reinen Cold Storage in wärmere Tier-Bereiche.

Franziska Huber, PR & Communications Manager/Lead, EMEAI bei WD, unterstreicht die strategische Dimension: „Speicher war traditionell keine Komponente, der besonders viel Aufmerksamkeit gewidmet worden ist.“ Durch KI ändere sich das Mindset der Kunden grundlegend. Speicher müsse frühzeitig in Infrastrukturentscheidungen einbezogen werden, um Kosten- und Skalierungsgrenzen zu vermeiden. Huber verweist zudem auf die wachsende Bedeutung von ESG- und Nachhaltigkeitskriterien. Der kommende Sustainability Report werde detaillierte Daten zu Wasserverbrauch und Ressourcenschonung liefern.

Huber: „Speicher ist heute ein strategischer Entscheidungspunkt und nicht mehr nur Skalierungsmasse.“

Die HDD gewinnt im KI-Umfeld strategisch an Bedeutung

Die KI-Welle zwingt den Markt zu klaren Entscheidungen. Flash bleibt für bestimmte Performance-Layer unverzichtbar. Für die massiven Datenvolumina im KI-Cloud-Umfeld jedoch dominiert weiterhin die HDD – nicht zuletzt aus wirtschaftlichen und skalierungstechnischen Gründen. WD kombiniert UltraSMR, HAMR, Dual Pivot und High Bandwidth zu einer klar definierten Roadmap Richtung 100 TB.

Für Hyperscaler wie für wachsende Cloud-Anbieter gilt: Wer KI wettbewerbsfähig betreiben will, muss Speicher strategisch planen. Oder wie Kemmer es formuliert: „Das Wachstum ist da – und es ist notwendig, darauf zu reagieren“.

CloudFest als Bühne für die KI-Roadmap

Das Gespräch mit Uwe Kemmer und Franziska Huber fand im Vorfeld des CloudFest statt – einem der zentralen Branchentreffen für Cloud-, Hosting- und Datacenter-Anbieter in Europa. Es findet vom 23. bis 26. März im Europa-Park Rust statt. Dort will WD insbesondere die Rolle von UltraSMR-Technologie und energieoptimierten Laufwerken in KI-Umgebungen in den Mittelpunkt stellen.

Gerade für Integratoren und Service-Provider sei das Thema relevant, weil Shingled Magnetic Recording (SMR) nicht nur eine Kapazitätsfrage, sondern auch eine Architekturfrage ist. „Die Kunden müssen sich überlegen, was muss ich jetzt investieren, um in Zukunft diese Platten nutzen zu können“, sagt Kemmer.

Während große Hyperscaler ihre Software-Stacks gezielt anpassen können, brauchen klassische Cloud- und Channel-Kunden geeignete Dateisysteme oder Software-Partner, um SMR wirtschaftlich einzusetzen. Entsprechend prominent will WD das Thema am Stand B01 adressieren.