Barrierefreies Videoconferencing
Verschiedenste Standards und proprietäre Systeme bremsen die weite Verbreitung von Videokonferenzsystemen im Unternehmensumfeld. Doch wie lassen sich diese Baustellen aus der Welt schaffen? Inwieweit macht eine Standardisierung von Videolösungen Sinn? Welche Rolle spielt WebRTC dabei? Und wie können Reseller mit Mehrwertdiensten eine höhere Rendite erzielen? channelXpert hat bei Also, Michael Telecom und Unify nachgefragt.
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- WebRTC & Faktoren für Reseller
- Rendite für Reseller & Verbreitung von Videokonferenzen
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channelXpert: Inwieweit hemmt die Vielzahl an vorherrschenden Standards die Verbreitung von Videokonferenzen?
Holger Prange: Die Interoperabilität zwischen Produkten und Herstellern ist in der Tat eine Herausforderung bei der Etablierung von Videokommunikation. Um einen Konsens zu finden, ist es allerdings eher notwendig, herauszufinden, welche SIP-Protokollvarianten jeweils unterstützt werden. Der Begriff „standard compliant“ besitzt diese Aussagekraft nämlich leider nicht. Einige Hersteller wie Unify oder Polycom sind daher dazu übergegangen, in speziellen Laboren „Interoperability Testing“ durchzuführen.
Videokonferenzen sind hauptsächlich durch das H.323- und das SIP-Protokoll geprägt. H.323 ist immer noch vorherrschend, wird aber immer mehr durch das modernere SIP-Protokoll abgelöst. Hersteller wie Unify setzen schon zu 100 Prozent auf SIP, wiederum Andere bieten immer noch hybride Lösungen mit H.323 an. Ergänzende SIP-RFCs ermöglichen weitere Videoconferencing-Leistungsmerkmale, welche durch die Hersteller implementiert werden. Das Problem sind also nicht die Standards, sondern welche zusätzlichen RFCs und Protokollvarianten unterstützt werden.
Kai Schwerdtner: Hersteller müssen sich aber auf Standards einigen. Über kurz oder lang werden streng proprietäre Systeme vom Markt verschwinden. „Übersetzungslösungen“ wie von „Polycom real connect“ sind eine Alternative. Damit werden Videokonferenzsysteme, die unterschiedliche Standards und proprietäre Protokolle nutzen, über eine Multiprotokoll-Plattform miteinander verbunden – unabhängig vom Hersteller oder vom Alter des Geräts. Ziel muss es sein, den Workflow des Mitarbeiters beizubehalten – was zu einer höheren User-Experience führt.
channelXpert: Inwieweit macht eine Standardisierung von Videokonferenzsystemen also Sinn?
Schwerdtner: Sie macht absolut Sinn! Das ist vergleichbar mit der Handytelefonie – hier fragt man sich nicht mehr, ob der andere Teilnehmer den gleichen Netzanbieter hat, erwartet wird eine qualitativ gute Verbindung. Diese Ansprüche werden auch im Bereich der Videokonferenzen gestellt. Die entsprechenden Geräte haben längst die nötige Intelligenz und tauschen sich kurz vor dem Zustandekommen der Videokonferenz darüber aus, über welchen Standard sie miteinander kommunizieren können, beziehungsweise wie die bestmögliche Audio- und Videoqualität erzeugt werden kann. Gerade vor dem Hintergrund, dass die Anzahl an externen und mobilen Mitarbeitern steigt, sollten auch diese Nutzer in den Kommunikationsprozess eingebunden werden.
Helmuth Stegemann: Man hat längst erkannt, dass der Einsatz nicht standardisierter Systeme auf immer weniger Akzeptanz stößt – insbesondere dann, wenn es um den weltweiten Einsatz geht. Daher sind heute schon viele Systeme untereinander kompatibel oder können gegen Aufpreis hochgerüstet werden.