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Ein Netz für alles

Ein Netz für alles. In Kliniken werden normalerweise die Netzwerke für lebenswichtige ­Daten und andere Informationen physikalisch getrennt. Das Heidelberger Universitätsklinikum ging einen anderen Weg.

Autor: Redaktion connect-professional • 29.3.2006 • ca. 2:05 Min

Das Universitätsklinikum Heidelberg setzt auf WLAN-Technik in Kombination mit einem spezifischen Netzsystem für den Medizinbereich von Dräger und Packeteer. Foto: Universitätsklinik Heidelberg
Inhalt
  1. Ein Netz für alles
  2. Ein Netz für alles (Fortsetzung)

Ein Netz für alles

Kliniknetze müssen eine Menge sehr unterschiedlicher Aufgaben erfüllen: Sie müssen die Verwaltung mit den nötigen Daten und Informationen versorgen. Sie sollen den Ärzten Zugriff auf Patienteninformationen, Röntgenbilder und anderes Material möglichst auch am Krankenbett bieten. Sie müssen die lebenswichtigen Daten aus dem Patienten-Monitoring, zum Beispiel auf der Intensivstation so sicher befördern, dass die betroffenen Patienten jederzeit zuverlässig überwacht werden können. Und schließlich gehört ein Internet-Zugang für Patienten heute zum Komfort des Krankenhausaufenthalts.
Weil die vorhandene Infrastruktur mit der zuverlässigen Wahrnehmung aller vier Aufgaben oft überfordert war, richteten Kliniken früher insbesondere für das Patienten-Monitoring separate Netze ein. Auf ihnen flossen ausschließlich Vitaldaten. So wurde verhindert, dass das Überwachungspersonal zu spät erfährt, wenn sich etwa der Kreislaufzustand eines Herzinfarktpatienten verschlechtert. Der Preis dafür: Eine separate Netz-Infrastruktur sowie Telemetrie-Funkantennen in den Wänden und entsprechende Empfangssysteme, mussten erworben, implementiert und natürlich auch gewartet werden, was zusätzliche Kosten bedeutete.
Die Heidelberger Universitätsklinik errichtete im Jahr 2003 einen Neubau mit rund 300 Betten für internistische Patienten. Statt der üblichen Telemetrielösung zur Überwachung der Akutpatienten suchte Prof. Dr. med. Björn Bergh, Direktor für Informations- und Medizintechnik am Universitätsklinikum Heidelberg, nach einer anderen Lösung. Er plante eine WLAN-Infrastruktur, die nicht nur die Patienten mit einem Internet-Zugang versorgen, sondern auch die benötigten Patientendaten auf tragbare Rechner des Personals bereitstellen sollte.
Dabei stellte sich heraus, dass die betroffenen Mitarbeiter Laptops PDAs und Tablets vorzogen. »Die kleineren Geräte sind zum Schreiben zu unhandlich«; erklärt Bergh. Geplant ist nun die Ausrüstung des Klinikums mit sogenannten Visitenwagen, die vom Klinikum selbst entwickelt wurden. Sie integrieren einen Laptop und einen 20-Zoll-Monitor, auf dem sich auch anspruchsvolle Röntgenbilder gut darstellen lassen. »Ein Mitarbeiter bedient den Laptop, die übrigen sehen derweil auf der anderen Seite des Wagens die Bilder direkt am Krankenbett an«, erklärt Bergh die Funktionsweise. Derzeit sind bereits zwei dieser Wagen im Testeinsatz.

WLAN-Konstruktion mit Tücken
Doch bevor die drahtlosen Visitenwagen Realität werden konnten, waren einige Probleme bei der Konstruktion des Wireless LAN für das Patienten-Monitoring zu lösen. Das Problem bestand darin, zu garantieren, dass im (W)LAN für die Übertragung der Vitaldaten stets genug Bandbreite verfügbar ist. Zwar arbeitet das feste Kliniknetz mit einem Gigabit-Backbone. Die Access Points nutzten zunächst 802.11 b und g, also Geschwindigkeiten von 11 bis 54 MBit/s, doch reichte das Bergh nicht aus, um die ­sichere Übertragung der Vitaldaten zu garantieren.
Die rund 350 Access Points AP 1200 von Cisco, die mittlerweile für die Applikation installiert wurden, boten zum Zeitpunkt der Implementierung, Anfang 2004, noch keine entsprechenden Funktionen. »Auf den WLAN-QoS-Standard 802.11e wollten wir auch nicht warten, da es ungewiss war, wann er verabschiedet werden würde«, sagt Bergh. Er versuchte zunächst eine bloße WLAN-Implementierung. »Aber dabei gab es immer wieder Stillstände, Abbrüche und Probleme beim Roaming«, erinnert sich Bergh.