Handel ringt mit Technik und Datenschutz
Eine aktuelle Soti-Studie zeigt, dass Verbraucher im Einzelhandel mehr digitale Services und personalisierte Angebote erwarten, aber hohe Anforderungen an Datenschutz und IT-Sicherheit stellen. Angesichts wirtschaftlicher Unsicherheit stehen Händler vor Druck.
Der Einzelhandel verfüge laut Soti (Eigenschreibweise „SOTI“) bereits über eine Vielzahl technologischer Möglichkeiten, nutze diese jedoch entlang der Customer Journey bislang nicht vollständig. Der aktuelle Retail Report des Unternehmens komme zu dem Ergebnis, dass 51 Prozent der Konsumenten in Deutschland ein stärker technologiegestütztes Einkaufserlebnis erwarten. Weltweit liege dieser Wert bei 58 Prozent. Insbesondere Apps, digitale Services und personalisierte Angebote würden aus Sicht der Verbraucher eine zunehmend wichtige Rolle bei der Kaufentscheidung spielen.
Darüber hinaus könnten Technologien wie Augmented Reality und erweiterte Visualisierungsmöglichkeiten laut Hersteller dazu beitragen, das Einkaufserlebnis immersiver zu gestalten. Voraussetzung sei jedoch, dass diese Lösungen nahtlos in bestehende Handels- und IT-Strukturen integriert würden.
Datenschutz als zentrale Entscheidungsgröße
Gleichzeitig entwickle sich der Datenschutz zu einem entscheidenden Faktor bei der Akzeptanz neuer Technologien. Der Studie zufolge äußern 83 Prozent der deutschen Verbraucher Bedenken hinsichtlich der Datensicherheit – sowohl beim Online- als auch beim stationären Einkauf. Global liege dieser Wert bei 86 Prozent. Zudem würden 88 Prozent der Befragten angeben, einen Händler zu meiden, der bereits Opfer eines Cyberangriffs geworden sei.
Diese Zurückhaltung sei nicht unbegründet: Fast die Hälfte der deutschen Studienteilnehmer habe bereits Erfahrungen mit Betrugsfällen gemacht. Vor diesem Hintergrund betont Soti, dass technologische Innovationen nur dann erfolgreich seien, wenn Transparenz und ein konsequenter Schutz personenbezogener Daten gewährleistet würden.
Vorhandene Technologien werden nicht ausgeschöpft
Nach Einschätzung des Unternehmens seien die technischen Grundlagen bei vielen Einzelhändlern in Deutschland bereits vorhanden. Dennoch würden diese Möglichkeiten bislang nicht in vollem Umfang genutzt. So gaben 52 Prozent der Befragten an, Apps für exklusive Angebote, Rabatte oder Bonusprogramme zu verwenden. Rund 36 Prozent profitierten von beschleunigten Checkout-Prozessen.
Dennoch entspreche der aktuelle Technikeinsatz laut Studie noch nicht vollständig den Erwartungen an personalisierte und zukunftsorientierte Shopping-Konzepte. Erst eine sichere, stabile und alltagstaugliche Integration digitaler Lösungen könne das Vertrauen der Konsumenten nachhaltig stärken.
Wirtschaftliche Unsicherheit prägt das Kaufverhalten
Neben technologischen Aspekten beeinflusse auch die wirtschaftliche Lage das Konsumverhalten zunehmend. Steigende Lebenshaltungskosten führten dazu, dass Verbraucher stärker auf Preis, Zweckmäßigkeit und Herkunft von Produkten achten. In Deutschland legten bereits 17 Prozent der Befragten gezielt Wert auf die Provenienz von Waren. Zudem entschieden sich 47 Prozent bewusst für den stationären Handel, um lokale Anbieter zu unterstützen.
Ein Großteil der Konsumenten suche aktiv nach Einsparmöglichkeiten. 79 Prozent der deutschen Teilnehmer gaben an, ihr Kaufverhalten entsprechend anzupassen. Rund die Hälfte berichtete zudem, dass sich ihre gewohnten Einkaufsgewohnheiten im vergangenen Jahr aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verändert hätten.
Digitale Lieferketten als strategischer Faktor
Vor diesem Hintergrund verweist Soti darauf, dass informierte und kostenbewusste Konsumenten kanalübergreifend individualisierte Angebote in Echtzeit erwarten. Gleichzeitig blieben jedoch Defizite in der digitalen Abbildung von Bestell- und Lieferprozessen eine zentrale Herausforderung. Medienbrüche und mangelnde Transparenz in der Lieferkette könnten das Kundenerlebnis beeinträchtigen und Effizienzpotenziale ungenutzt lassen.