Die verschiedenen Möglichkeiten der Umstellung
- Die Zeichen stehen auf Cloud
- Die verschiedenen Möglichkeiten der Umstellung
- Exkurs: Cloud-Einsatz erfordert passgenaue Strategie
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Wer heute noch ISDN nutzt, das Thema aber möglichst schnell und geräuschlos abhaken möchte, weil Telefonate für seinen Betrieb eine eher untergeordnete Rolle spielen, der kann sich ohne großen Aufwand mit einem Gateway behelfen. Dieses verbindet eine vorhandene ISDN-TK-Anlage mit dem DSL-Breitbandanschluss und fungiert sozusagen als Übersetzer zwischen IP und ISDN. Die vorhandene TK-Anlage kann ohne Geräteaustausch weiter genutzt werden. Vor allem Unternehmen, die vor kurzem in neue Systeme investiert haben, werden diese ungern direkt wieder ausmustern und neu investieren. Hier bietet die Schaltung eines Gateways eine schnelle Lösung, die idealerweise die schrittweise Aufrüstung auf die Funktionswelt der All-IP-Telefonie ermöglicht. Derartige Gateways lassen sich später einfach durch ein Software-Update in eine vollständige IP-Telefonanlage umwandeln. Das bietet Unternehmen die Chance, die technische Umstellung zunächst schlank über die Bühne zu bringen, die strategische Einbettung neuer Funktionalitäten und Features in die täglichen Arbeitsabläufe allerdings ganz in Ruhe und Schritt für Schritt zu vollziehen.
Wer ein Gateway für einen Transfer von ISDN in Richtung VoIP nutzt, muss jedoch in der Regel auf aus ISDN-Zeiten gewohnte Funktionen verzichten. Grundsätzlich sollten Unternehmen also zunächst genau prüfen, welche technischen Konsequenzen der Wegfall von ISDN für sie nach sich zieht. Oft wird der ISDN-Anschluss nämlich nicht nur als reiner Telefonanschluss genutzt, sondern auch zur Datenübertragung beispielsweise für Dreierkonferenzen oder das sogenannte Vermitteln im Amt. Bei Telefonanlagen aus der Cloud bleiben hingegen in der Regel klassische ISDN-Features wie „Halten“, „Transfer“, oder „Vermitteln“ erhalten. Wobei es deutlich stärkere Argumente für Cloud-Lösungen gibt als dieses.
Die Zukunft spielt sich in der Cloud ab
Viele Experten habe keinen Zweifel daran, dass sich IP-basierte ITK-Systeme künftig stärker in Richtung Cloud verlagern werden. Denn auch wenn der deutsche Mittelstand seine Daten nach wie vor eher ungern einem Dienstleister anvertraut – und im Telefonie-Segment wird diese Debatte besonders emotional geführt – Cloud-Lösungen verbreiten sich auch bei Mittelständlern immer mehr. Der im vergangenen Jahr veröffentlichte Cloud-Monitor von KPMG und Bitkom stellte fest, dass immerhin bereits 41 Prozent der Unternehmen in dieser Nutzergruppe entsprechende Angebote wahrnehmen. Mich wundert das nicht. Die Vorteile überwiegen nun mal immer deutlicher die gefühlten Risiken: Verschiedene Niederlassungen und virtuelle Teams lassen sich einfacher vernetzen, die eigenen Wartungsaufgaben fallen weg, zudem ist die Skalierbarkeit cloudbasierter Lösungen sehr reizvoll.
Da sich auch die Kommunikationsgewohnheiten vieler Anwender, insbesondere der jüngeren, stark verändert haben, wird die Telefonie künftig nur eine unter vielen Kommunikationskanälen im IP-Netz sein. Neben E-Mail und Telefon gilt es, Intranet, Chat- und Kommentarfunktionen sowie Social Networks zweckmäßig in das Informationsmanagement einzubinden. Systemhäuser tun gut daran, ihre Beratungskompetenz spätestens jetzt im Hinblick auf Unified Communications (UC) zu steigern. Auch bei Themen wie Notrufsystemen, Alarmanlagen oder Aufzugsystemen steigt derzeit der Beratungsbedarf spürbar. Denn damit UC-Projekte im Unternehmen auch wirklich zu mehr Effizienz beitragen, müssen sie strategisch fundiert sein und unter professioneller Begleitung im Unternehmen ausgerollt werden. Diesen Part können Systemhäuser idealerweise übernehmen, nachdem sie einen Anwender von der richtigen Software überzeugt haben. Hier bieten sich Potenziale für Trainings und Support, welche die Umsatzlücken schließen, die die sinkenden Margen im Cloud-Segment reißen werden.
Christian Cramer ist Geschäftsführer des Systemhauses Cramer