KI verändert den gesamten Hardware-Markt
Die massiven Investitionen in Infrastruktur für Künstliche Intelligenz saugen den Hardware-Markt leer und lassen die Preise explodieren. Die Distribution muss Lagerbestände aufstocken.
Die massiv steigenden Investitionen in Infrastruktur für künstliche Intelligenz (KI) verändern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des weltweiten Hardware-Marktes. Das zeigt die jüngste Analyse des Marktforschungsinstituts Context. Das führt zu einer Verknappung des Komponentenangebots und treibt die Preise für PCs, Server und Speicher massiv nach oben.
Laut Context ist der europäische IT-Distributionsmarkt im Jahr 2025 um 5,2 Prozent gewachsen und hat damit die ursprünglich prognostizierten 3,6 Prozent deutlich übertroffen. Die Analysten führen das vor allem auf PC-Erneuerungszyklen und Infrastrukturinvestitionen zurück. Der Aufwärtstrend werde jedoch nicht anhalten. Sie gehen davon aus, dass sich das Wachstum im Jahr 2026 auf 2,1 Prozent verlangsamen wird, da sich Versorgungsengpässe und Preisdruck im Zusammenhang mit KI-Infrastruktur allmählich auf die Verfügbarkeit von Hardware auswirken.
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Hersteller shiften Produktionskapazitäten um
Im Mittelpunkt dieses Wandels steht laut Context die rasante Ausweitung der KI-Rechenleistung. Die Nachfrage nach Hochleistungssystemen für KI-Anwendungen führe zu einem beispiellosen Anstieg der Nachfrage nach Speicher mit hoher Bandbreite und Spezialkomponenten. Deshalb würden die Hersteller ihre Produktionskapazitäten zunehmend für KI-Server und den Einsatz in Hyperscale-Rechenzentren priorisieren.
Die Auswirkungen seien bereits im Distributionsmarkt sichtbar. Ende 2025 stiegen die Hardware-Bestellungen deutlich an, da Lieferanten und Distributoren mit Engpässe rechneten und versuchten, ihre Versorgung zu sichern. Das sorgte im 4. Quartal 2025 zu einem Wachstum von 6,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
„Die Investitionen in KI sind mittlerweile so umfangreich, dass sie die gesamte Technologie-Lieferkette beeinflussen“, erklärte Aaron Smith, Senior Analyst bei Context. „Die Nachfrage nach Spezialkomponenten für die KI-Infrastruktur entzieht anderen Bereichen des Hardware-Marktes Produktionskapazitäten. Dies beginnt, die Preisgestaltung, die Verfügbarkeit und das Kaufverhalten im gesamten IT-Vertriebskanal neu zu gestalten.“
Mehrere Hardware-Kategorien veranschaulichen diesen Wandel. Der PC-Bereich verzeichnete 2025 ein starkes Wachstum. So stiegen die Umsätze im Desktop-Bereich im Jahresvergleich um rund 26 bis 27 Prozent, weil Unternehmen ihre Geräte vor Ablauf der Supportfrist für Windows 10 erneuerten. Dieser Zuwachs bei PC-Hardware dürfte sich jedoch bis 2026 wieder abschwächen, weil die Komponentenengpässe im Zusammenhang mit KI-Workloads das Angebot zunehmend einschränken.
Zunehmende Spaltung des Marktes
Unterdessen nimmt die Nachfrage nach IT-Infrastruktur weiter zu. Die Server-Umsätze stiegen laut Context 2025 kräftig an und werden 2026 voraussichtlich um weitere 7,7 Prozent zunehmen. Die Gründe sind auch hier der Einsatz von KI in Unternehmen und die wachsende Nachfrage nach auf auf Inferenz spezialisierte Rechenumgebungen, also IT-Systeme, die speziell dafür optimiert sind, fertig trainierte KI-Modelle effizient auszuführen.
Für den Channel bedeutet dies eine zunehmende Spaltung des Marktes zwischen wachstumsstarken, KI-bezogenen Infrastruktursegmenten und Hardware-Kategorien, die mit Lieferengpässen und steigenden Kosten zu kämpfen haben. Auch der Markt für Software und Security kann mit steigenden Anteilen rechnen. Die Umsätze im Bereich Cybersicherheit sollen laut Context 2026 um 7,7 Prozent steigen, da Unternehmen ihren Schutz vor immer raffinierteren KI-gesteuerten Bedrohungen verstärken.
„KI schafft nicht mehr nur eine neue Kategorie von Infrastruktur“, fügte Aaron Smith hinzu. „Sie beginnt, das Verhalten des gesamten Hardware-Marktes zu beeinflussen: von den Lieferketten und der Preisgestaltung bis hin zur Art und Weise, wie Unternehmen ihre IT-Investitionen priorisieren.“