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Starlink-Blockade bremst Vormarsch von Putins Truppen

Russlands Krieg in der Ukraine: SpaceX zieht den Stecker

Lange profitierte das russische Militär von eingeschmuggelten Starlink-Terminals, um seine Drohnenangriffe präziser zu koordinieren. Nun wurde dem russischen Militär der Zugang abgedreht.

dpa | Redaktion: Andrea Fellmeth • 9.2.2026 • ca. 1:50 Min

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© Christoph Soeder/dpa-ENR-Pool/dpa

Lange profitierte das russische Militär von eingeschmuggelten Starlink-Terminals, um seine Drohnenangriffe präziser zu koordinieren. Doch nun zieht SpaceX den Stecker. Für Moskaus Truppen ist die plötzliche Abschaltung ein technologischer Rückschlag, der sie in die kommunikative Steinzeit des Jahres 2022 zurückwirft

In den Schützengräben und Kommandozentralen der russischen Invasoren herrscht Ernüchterung. Was Militärblogger als „harten Schlag“ beschreiben, ist das Ende einer Phase, in der Russland eine technologische Lücke durch Graumarkt-Importe schloss. Über Drittstaaten im Persischen Golf und Zentralasien gelangten Tausende Terminals des Musk-Konzerns an die Front – ein entscheidender Vorteil in einem Krieg, in dem mobiles Internet aufgrund von Funkortung lebensgefährlich und oft instabil ist.

Warum die Blockade ausgerechnet jetzt erfolgt, könnte an der jüngsten Eskalation liegen: Russland nutzte Starlink zuletzt massiv, um Drohnenangriffe in Echtzeit zu steuern. Besonders die Versorgungsroute zwischen Dnipro und Pokrowsk wurde so zur „Todesfalle“ für ukrainische Nachschubtruppen. Da die russische Luftwaffe wegen der ukrainischen Flugabwehr kaum direkte Unterstützung leisten kann, übernahmen Starlink-gesteuerte Drohnen diese Rolle – inklusive Live-Videoübertragung der Einschläge. Der Erfolg dieser Taktik war so durchschlagend, dass Kiew nun offenbar erfolgreich Druck auf SpaceX ausübte.

Geofencing und Registrierungszwang: Die Technik der Sperre

Technisches Rückgrat von Starlink ist ein globales Satelliten-Netzwerk, das schnelles Internet (bis zu 1 Gbit/s) unabhängig von lokaler Infrastruktur liefert. In der Kampfzone wird das System zum strategischen Schlüssel: Im Gegensatz zu gefährlichem, leicht ortbarem Mobilfunk ermöglicht Starlink eine stabile und sichere Steuerung von Einheiten. Die nun erfolgte Blockade wirkt über zwei effektive Hebel:

  • Geschwindigkeitsdrosselung: Terminals, die sich schneller als 90 km/h bewegen, lösen einen automatischen Neustart aus. Dies macht den Einsatz in schnellen Angriffsdrohnen unmöglich.
  • Whitelisting: Alle Geräte auf ukrainischem Staatsgebiet müssen nun auf einer offiziellen Plattform registriert sein.

Diese Maßnahmen treffen jedoch auch die Ukraine an einem empfindlichen Punkt. Da viele Terminals von Freiwilligen gespendet wurden, müssen diese nun mühsam nachregistriert werden. Zudem wurden Sicherheitsbarrieren errichtet, um zu verhindern, dass pro-russische Akteure Geräte im Namen ukrainischer Einheiten legitimieren.

Zurück zum „blinden“ Krieg

Die Folgen für Moskau sind gravierend. Der russische Militärkorrespondent Alexander Sladkow warnt, die Kommunikation sei auf das Niveau zu Kriegsbeginn zurückgefallen. Damals agierten russische Truppen oft „blind“, ohne Echtzeit-Lagebild, was zu chaotischen Abläufen und hohen Verlusten führte.

Zwar versucht Russland, mit archaisch anmutenden, aber effektiven Alternativen gegenzusteuern – etwa mit Drohnen, die über bis zu 50 Kilometer lange Glasfaserkabel gesteuert werden und somit immun gegen Funkstörungen sind. Dennoch: Ohne die globale Satelliten-Infrastruktur verliert Moskaus Militärmaschinerie an Präzision. Dass Russland seinen Vormarsch stoppt, ist indes nicht zu erwarten; der Kreml setzt weiterhin auf seine schiere personelle Überlegenheit, um die technologischen Defizite auszugleichen.

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