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Telekommunikation im Auf- und Abwind (Fortsetzung)

Autor: Redaktion connect-professional • 1.2.2006 • ca. 3:25 Min

Inhalt
  1. Telekommunikation im Auf- und Abwind
  2. Telekommunikation im Auf- und Abwind (Fortsetzung)
  3. Telekommunikation im Auf- und Abwind (Fortsetzung)

Gewinne und Schulden
France Telecom hat hingegen kürzlich seine Umsatzprognose für 2006 deutlich reduziert. Der Konzern bleibt trotz eines Gewinnes vor Zinsen und Steuern von rund 6,5 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2005 mit derzeit rund 46 Milliarden Euro Schulden eines der höchstverschuldeten Unternehmen in Europa. Ebenfalls relativ hoch verschuldet mit rund 44 Milliarden Euro ist die Telecom Italia. Jedoch betrug ihr Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen im ersten Halbjahr 2005 rund 6 Milliarden Euro. Der nach Umsatz weltgrößte britische Mobilfunkkonzern Vodafone rechnet dagegen für das Geschäftsjahr 2006/2007 mit sinkenden Erlösen. Grund dafür sei laut Vodafone-Chef Saring die zunehmende Mobilfunk-Penetration. Zusätzlich belastet werde das Ergebnis 2006/2007 durch eine Absenkung der Entgelte, die Vodafone für Anrufe in sein Netz bekommt. In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2005 war hingegen der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen gegenüber dem Vorjahreszeitrum von 6,62 Milliarden auf 6,71 Milliarden britische Pfund gestiegen.
Derzeit scheint die Konsolidierungswelle auf dem europäischen Telekommunikationsmarkt stark voranzuschreiten. Die großen Telefonkonzerne sind dabei Treiber einer Neuordnung innerhalb der Branche. Beispiele dafür gibt es einige: So hatte die EU-Kommission in Brüssel Anfang Januar 2006 der im Oktober 2005 angekündigten Übernahme des Mobilfunkanbieters 02 durch Telefonica zugestimmt. In Deutschland hat O2 über neun Millionen Handykunden ist aber hinter Vodafone, T-Mobile und E-Plus der kleinste Anbieter. Von Telefonica ebenfalls geschluckt wurde im Juli 2005 der tschechische Konzern Cesky Telecom. Im August 2005 hat die Deutsche Telekom den österreichischen Mobilfunkanbieter Telering gekauft und das Unternehmen mit der Telekom-Mobilfunktochter T-Mobile verschmolzen. Ebenfalls im Sommer 2005 hatte France Telecom für rund 6,4 Milliarden Euro den spanischen Mobilfunkanbieter Amena übernommen und damit den Konkurrenzdruck auf die in Spanien marktbeherrschende Telefonica erhöht. Auch untereinander sind Übernahmen von Telefonanbietern offensichtlich ein Thema. Das beweist der Mitte August 2005 stattgefundene Kauf des britischen Firmenkundenspezialisten Energis durch den zweitgrößten britischen Leitungsnetzbetreiber Cable & Wireless.

Verdrängungswettbewerb
Was sind nun aber die Gründe für die vielen Übernahmen? Zunächst einmal haben die Konzerne ihre Schulden größtenteils abgebaut und verfügen über neue Gelder. Zugleich aber schwächst sich das Wachstum in der Telekombranche zunehmend ab. Derzeit sind sowohl beim Mobilfunk als auch im Bereich Festnetz neue Kunden, die noch keine Verträge haben, kaum mehr zu finden. Es hat also ein regelrechter Verdrängungswettbewerb bei den europäischen Telefonkonzernen eingesetzt. Dieser Meinung ist auch Mike Cansfield, Chefanalyst der IT-Beratung Ovum. »Der erreichte Preisdruck, hohe Überkapazitäten und die starke Marktfragmentierung des europäischen Telekommarktes machen Übernahmen fast unausweichlich«, so Cansfield. Dabei zählen zu den Übernahmekandidaten häufig Firmen, denen es an der kritischen Größe mangelt.             

Mobilfunk am Scheidepunkt 
Der momentan bei fast allen Telekomriesen profitable Bereich Mobilfunk sieht 2006 wahrscheinlich turbulenten Zeiten entgegen. Vor allem die durch Voice over IP (VoIP) unter Druck geratenen Preise für Sprachtelefonie sowie die hohen Kosten belasten das Mobilfunkgeschäft. Um auch in Zukunft weiter wachsen zu können, müsse die Branche neue Prioritäten setzen, raten die Analysten der britischen Beraterfirma Informa Telecoms & Media. »Internettelefonie sowie nicht lizenzierte Mobilfunknetzwerke werden die Mobilfunklandschaft in den kommende fünf Jahren drastisch verändern«, warnt Mark Newman, Chefanalyst von Informa Telecoms & Media. Die europäischen Mobilfunkbetreiber versuchen daher jetzt verstärkt, Kosten einzusparen und setzen dabei auf Internettechnologien, die Auslagerung von Netzwerkinfrastruktur und eine Kürzung der Handysubventionen. Darüber hinaus sollten sie sich aber neue Umsatzquellen erschließen, etwa neue mobile Unterhaltungsservices, so Newman.

Neue Techniken auf dem Vormarsch
Auf technischer Seite macht auf dem Telekommarkt derzeit besonders die neue Übertragungstechnik Wimax (Worldwide Interoperability for Microwave Access) von sich reden. Wimax, eine großflächige Variante von WLan, kann den klassischen Telefonanschluss ersetzen und die sogenannte »letzte Meile« zum Kunden überbrücken. Somit ist der neue Drahtlosstandard in der Lage, nicht nur dem Festnetz, sondern auch dem Mobilfunk Konkurrenz zu machen.  
Wimax bietet hauptsächlich den Kunden, die zu Hause keinen schnellen Internetzugang wie beispielsweise DSL von der Telekom oder anderen Festnetzbetreibern bekommen können, einen Weg ins Web. Und weil die Luftleitungen schnell und kostengünstig zu installieren sind, öffnet sich hier durch Wimax branchenfremden »Neulingen« ein relativ einfacher Einstieg in das lukrative Telekommunikationsgeschäft der traditionellen Telefonkonzerne. Einige Analysten sind sogar der Meinung, dass Wimax ausreichend Potential hat, eine der wichtigsten Basistechnologien der Zukunft zu werden.
Weiteres Ungemach droht den Telekomriesen europaweit auch durch Voice over IP. Hier versuchen verschiedene VoIP-Anbieter mehr und mehr die Festnetzkunden der Telefonkonzerne abzuwerben. Der Kundenvorteil dieser Technologie ist folgender: Bei VoIP gehören neben Telefonie von PC zu PC  mittlerweile auch Telefon- und Videokonferenzen zur Standardausstattung. Bleibt abzuwarten, ob die großen europäischen Telekomkonzerne ihre derzeit noch in verschiedenen Sparten bestehende Marktführerschaft auch künftig halten können.