Zum Inhalt springen
Bundesnetzagentur plant Abschied von DSL

Kupfer vor dem Aus

Gigabitfähige Netze gelten als politisches Ziel, lassen sich mit kupferbasierten Telefonleitungen jedoch nicht erreichen. Dennoch hält sich DSL hartnäckig als Massenanschluss. Die Bundesnetzagentur will diesen Zustand beenden – notfalls mit regulatorischem Druck.

dpa | Redaktion: Andrea Fellmeth • 19.1.2026 • ca. 2:30 Min

wlan-router-auslaufm-bild-fabian-sommer-dpa
© Fabian Sommer / dpa

Um den schleppenden Übergang von Kupfer zu Glasfaser zu beschleunigen, erhöht die Regulierungsbehörde den Druck auf die Deutsche Telekom. In einem Konzeptpapier skizziert sie erstmals die Möglichkeit einer lokal begrenzten Abschaltpflicht für DSL-Anschlüsse. Ziel ist es, die Nutzung von Glasfaser-Infrastrukturen deutlich zu steigern und Investitionen in diese langfristig überlegene Technologie wirtschaftlich abzusichern.

Konkret geht es um einen schrittweisen, regional gesteuerten Migrationsprozess, der perspektivisch in einen bundesweiten Abschied von DSL münden könnte. Erste Abschaltungen in einzelnen Versorgungsgebieten wären – bei entsprechender gesetzlicher Grundlage – frühestens ab dem Jahr 2030 denkbar.

Milliardeninvestitionen, aber zögerliche Nachfrage

Der Handlungsdruck ist erheblich: Zwar fließen in Deutschland seit Jahren Milliardenbeträge in den Glasfaserausbau, doch die Nachfrage bleibt hinter den Erwartungen zurück. Für Investoren ist das ein strukturelles Problem, denn hohe Ausbaukosten treffen auf eine Kundschaft, die vielfach am bestehenden DSL-Vertrag festhält.

Nach Zahlen des Branchenverbandes VATM nutzten zum Jahreswechsel noch rund 23 Millionen Haushalte und Unternehmen DSL- oder VDSL-Anschlüsse – lediglich 700.000 weniger als ein Jahr zuvor. Der Rückgang verläuft seit Jahren nur moderat.

Demgegenüber wächst die Zahl der mit Glasfaser erschlossenen Haushalte deutlich schneller: Laut VATM stieg sie 2025 um 3,7 Millionen auf 24,8 Millionen. Etwa die Hälfte dieser Anschlüsse entfällt auf die Deutsche Telekom, die andere auf Wettbewerber wie Deutsche Glasfaser. Die Diskrepanz zwischen verfügbarer Infrastruktur und tatsächlicher Nutzung bleibt jedoch groß.

Telekom pocht auf unternehmerische Steuerung

Für die Telekom ist die Lage ambivalent. Einerseits hat der Konzern ein offensichtliches Interesse daran, seine Glasfaserinvestitionen zu monetarisieren. Andererseits birgt eine erzwungene Abschaltung von DSL erhebliche Risiken für die Kundenbindung. Es ist keineswegs ausgemacht, dass verärgerte Bestandskunden anschließend einen Glasfaservertrag beim selben Anbieter abschließen – ebenso wahrscheinlich ist ein Wechsel zur Konkurrenz.

Entsprechend fordert der Bonner Konzern, selbst darüber entscheiden zu dürfen, wann und wo Kupfernetze außer Betrieb gehen. Eine staatlich verordnete Abschaltung lehnt die Telekom ab.

Regulierungsmodell mit Zumutungen für alle Marktteilnehmer

Das Konzeptpapier der Bundesnetzagentur richtet sich zunächst als Empfehlung an das Bundesdigitalministerium, ein entsprechendes Gesetzgebungsverfahren einzuleiten. Vorgesehen ist, dass in einem Gebiet ein Migrationsprozess von Kupfer auf Glasfaser gestartet werden kann, sobald mindestens 80 Prozent der Haushalte und Unternehmen über einen Glasfaseranschluss bis in die Wohnung oder das Büro verfügen („Fiber to the Home“, FTTH). Bundesweit liegt dieser Anteil derzeit laut Netzagentur bei lediglich 21 Prozent, in einzelnen Kommunen jedoch bereits deutlich höher.

Bemerkenswert ist: Die Regulierung würde nicht nur der Telekom Einschränkungen auferlegen, sondern auch deren Wettbewerbern. Voraussetzung für eine DSL-Abschaltung soll ein verpflichtender „Open Access“ sein. Die Glasfasernetze konkurrierender Anbieter müssten allen Marktteilnehmern – einschließlich der Telekom – diskriminierungsfrei zur Verfügung stehen.

Bislang beruhen solche Zugangsvereinbarungen auf freiwilliger Basis. Künftig würden sie zur regulatorischen Pflicht. Erst wenn diese Bedingung erfüllt ist, könnte der Abschaltprozess eingeleitet werden – ein Paradigmenwechsel im deutschen Breitbandmarkt.

Langer Vorlauf, klare Signale

Sollten die Vorschläge der Netzagentur tatsächlich in Gesetzesform gegossen werden, bleibt der Übergang dennoch eine zähe Angelegenheit, denn das Konzept sieht umfangreiche Fristen vor: Drei Jahre vor einer Abschaltung müssten Nutzer informiert werden, zwei Jahre zuvor dürfte vor Ort kein DSL-Vertrag mehr neu abgeschlossen werden. Selbst bei einem Gesetzesbeschluss im Jahr 2027 wären erste lokale DSL-Abschaltungen somit frühestens 2030 realistisch.

Netzagentur-Präsident Klaus Müller bezeichnet den Glasfaserumstieg als „zukunftsorientiertes Internet-Upgrade für Deutschland“. Entscheidend sei eine frühzeitige und transparente Kommunikation. Verbraucher müssten auch in der Glasfaserwelt die Wahl zwischen verschiedenen Anbietern und fairen Preisen haben. Der regulatorische Rahmen soll genau das absichern – und zugleich das Ende des Kupferzeitalters einläuten.