CRN: Offene Standards schaffen und statt einen großen Wurf planen, besser schrittweise Digitalisierung einführen, wäre ein Ansatz. Welche Strategie empfehlen Sie der Gesundheitsbranche?
Franke: Es lässt sich keine pauschale Empfehlung abgeben, die auf alle Teilnehmer der Gesundheitsbranche passt. Dafür sind die Ausgangssituationen zu unterschiedlich. Jedenfalls sollte man nicht nur abwarten, was geschieht. Im Zeitalter der Digitalisierung kann sich das niemand mehr erlauben, ohne vom Wettbewerb überholt zu werden. Daher müssen Unternehmen der Gesundheitsbranche neue Entwicklungen permanent bewerten, für Veränderungen bereit sein sowie neue Projekte schnell umsetzen. Dabei ist es gerade im Gesundheitsweisen wichtig, sektorübergreifend anstatt in Silos zu denken.
Tatsächlich ist es sinnvoll, Prozesse schrittweise zu verändern, dabei ein gemeinsames Ziel zu finden sowie dieses entschlossen zu erreichen. Die dann erlebbaren Erfolge führen meist zu einem Umdenken bei denjenigen, die anfangs zögern. Das beschleunigt die Veränderungen.
CRN: Die Bedenken sind vor allem bei Ärzten und Patienten groß, dass Daten in falsche Hände gelangen könnten. Andererseits gibt es in Teilen der Bevölkerung eine Begeisterung für Selbstvermessung und Optimierung durch Wearables und Apps. Wie müssen Konzepte für Datenschutz und IT-Sicherheit aussehen, damit eHealth ohne Missbrauch funktioniert?
Franke: Datenschutz und IT-Sicherheit sind zweifelsohne entscheidend für eine erfolgreiche Digitalisierung im Gesundheitswesen. Wichtig ist dabei, dass Datenschutz und IT-Sicherheit von Anfang an berücksichtigt werden und immer einen Teil der Lösung darstellen. Hier sind viele Aspekte zu betrachten, von Architekturkonzepten und Sicherheitstechnologien über neue Prozesse, Richtlinien und Gesetze bis hin zur Sensibilisierung von Ärzten und Patienten. Gerade die neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sowie die Verordnung zum Schutz kritischer Infrastrukturen (KRITIS) stellen neue Anforderungen. Zudem müssen Unternehmen sicherstellen, dass sich ihre IT-Infrastruktur, Sicherheitsrichtlinien, Prozesse, Tools und Systemkonfigurationen im Einklang mit den angeschlossenen Gesundheitsinitiativen entwickeln.