CRN: Signale aus der Politik gehen aber auch in eine andere Richtung: Eine flächendeckende Versorgung der Schulen mit Tablets wird es etwa in Bayern in absehbarer Zeit nicht geben.
Wittel: Es gibt Diskrepanzen, schon durch den Föderalismus. Das Kultusministerium ist für die Lerninhalte zuständig, für das Budget aber das Finanzministerium. Außerdem wollen die Politiker nicht zu große kurzfristige Erwartungen wecken. Es gehört daher zu den Aufgaben von Systemhäusern, auch beratend unterwegs zu sein und alternative Finanzierungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Zum Beispiel durch Einbindung lokaler Firmen, die ein Interesse an ihren Mitarbeitern von morgen haben.
CRN: Das andere Problem sind die digitalen Lerninhalte. Da scheint es jedenfalls in Deutschland bislang nur wenig zu geben. Analoge Lernmittel zu digitalisieren verhindern oft rechtliche Bestimmungen, und für genuine digitale Medien fehlen die Anreize.
Wittel: Bei den traditionellen Verlagen ist das so. Aber viele Lehrer bestreiten ihren Unterricht gar nicht mehr mit den herkömmlichen Schulbüchern. Viele Lehrer nutzen auch schon Internet-Plattformen, teilweise gefördert durch Bundesländer. Wenn sich die Nachfrage ändert und die Schulbuchverlage den Sprung nicht schaffen, werden sie vielleicht durch andere Anbieter ersetzt werden.
CRN: Ist Ihre Ausrichtung auf den Bildungssektor eine rein deutsche Angelegenheit?
Wittel: In Österreich haben wir ebenfalls ein Education-Vertriebsteam. Ähnliches könnte auch in anderen europäischen Ländern aufgesetzt werden. In Frankreich haben rund zehn Prozent der Schulen Tablets, in Großbritannien sind es etwa zwanzig. Auch dort ist noch Luft nach oben. In den USA hat Ingram Micro eine Initiative, die den Bereich Government allgemein adressiert. Wir tauschen uns natürlich aus, aber der deutsche Education-Markt unterscheidet sich schon sehr.