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Auch HP kämpft gegen die Speicherkrise

“Situation wie in den Corona-Jahren”

Die Speicherkrise hat auch HP erwischt. Channelchef Hartmut Husemann und Partner wie Michael Wunram müssen jede Woche ihren Kunden erklären, warum deren Budget für die nächste PC-Anschaffung nicht mehr reicht. Aktuell kann HP im Projektgeschäft den Preis 30 Tage garantieren. Das kann sich mit der nächsten Preisrunde ändern.

Autor: Michaela Wurm • 26.3.2026 • ca. 3:20 Min

Hartmut Husemann, HP Director Commercial and Consumer Channel (links), und Michael Wunram, Geschäftsführer von Sandata
© connect professional

Speicherkrise und kein Ende. Ob bei Fsas Technologies, Bluechip, Refurbisher AfB oder VAD Exclusive Networks (connect professional berichtete) - seit Monaten kreist kaum ein Gespräch um eine andere Problematik. Auch beim HP-Channel-Roundtable mit Hartmut Husemann, HP Director Commercial and Consumer Channel, und Michael Wunram, Geschäftsführer des HP-Partners Sandata, steht das Thema gleich am Anfang.

“Wir haben eine besondere Zeit, die auch eine besondere Herangehensweis erfordert”, betont Husemann. Er und auch die anderen HP-Manager würden täglich die globale politische und wirtschaftliche Lage beobachten, um schnell reagieren zu können.

Auch Husemann zieht den Vergleich zur Covid-Situation. “Wir wollten aus Covid lernen und setzen das Erlernte von damals jetzt auch um. Denn die Situation ist durchaus ähnlich. Wichtigster Teil ist die enge Abstimmung mit unseren Partnern und gemeinsam beim Kunden.”

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Anders als damals bei Corona sei diesmal jedoch die enorme Preisvolatilität, speziell bei SSD und RAM, meint Husemann.. HP habe die Lage aber noch gut im Griff und sei in der Fläche verfügbar - auch Dank der guten Zusammenarbeit mit seinen Distributoren. Natürlich gebe es Konfigurationen, die aktuell nicht gehen. Dann müsse man eben Alternativen suchen. Wichtig sei Verlässlichkeit, vor allem bei den Preisen. HP garantiere seinen Projektpartnern deshalb bei Quote (Angebot) und Preis 30 Tage Gültigkeit. Und auch im transaktionalen Geschäft blieben Promotions bei den Distributoren 30 Tage gültig

Husemann wie Partner Michael Wunram zeigen anhand einer Beispielrechnung die massiven Preissteigerungen bei PCs: Bei einem 500-Euro-Notebook lagen die Preise für die Komponenten üblicherweise bei rund 100 Euro. Dann sei dieser Anteil auf 200 gestiegen und betrage jetzt bereits 300 Euro. Das beträfe nicht nur HP, sondern alle Hersteller gleichermaßen.

Hartmut Husemann, HP Director Commercial and Consumer Channel (rechts), und Michael Wunram, Geschäftsführer von Sandata
Hartmut Husemann, HP Director Commercial and Consumer Channel (rechts), und Michael Wunram, Geschäftsführer von Sandata
© connect professional

Jede Woche mehrere Kundengespräche

HP-Partner Wunram berichtet, dass er pro Woche 4 bis 5 Kundengespräche zu diesem Thema habe. Das seien “sehr individuelle und anstrengende Gespräche”, weil man ihnen beibringen müsse, dass die Preise für die geplanten Notebooks wegen der enormen Steigerung angepasst werden müssten.

Anders als bei Corona sei das Problem bei den Kunden selbst im Januar noch gar nicht ins Bewusstsein gedrungen, erzählt Wunram. Erst jetzt käme es langsam im Large Business (500 bis 5.000 IT-Arbeitsplätze) an. Sandata habe aber auch Kunden im SMB und Mittelstand und denen reiche jetzt das Budget für den nötigen Hardware-Refresh dann oft nicht mehr aus.

Mit ihnen suche er dann nach einer Lösung, etwa eine Verlängerung der Finanzierung auf vier statt drei Jahre oder der Vertragslaufzeiten bei Managed Services. Als Alternative zum Device-Kauf könne er dem Kunden auch “Device as a Service” anbieten. Im SMB gebe es noch am wenigsten Probleme. Hier seien die Preise über Distribution und ITscope auch sehr transparent.

Lage bei Prozessoren deutlich entspannter

Husemann geht davon aus, dass die Problematik noch bis 2027 anhalten wird. Denn es dauere zwei Jahre um eine Fabrik im Speicherumfeld aufzubauen. Bei Prozessoren sei die Situation nicht ganz so schlimm.

Das Angebot an Einstiegs-CPUs sei ein bisschen heruntergefahren, generell aber sei die Verfügbarkeit gut, auch weil es zu Intel mit AMD; Nvidia, Qualcomm gleich mehrere Alternativen gebe. Verfügbarkeitsprobleme machten sich eher im Commercial Channel bemerkbar. Im Consumer Channel sei dagegen noch sehr viel Ware im Umlauf, meint Husemann.

Solide Geschäftsentwicklung auch im Druckergeschäft

Trotz Speicherkrise beschrieb Husemann die Geschäftsentwicklung als positiv. In Deutschland habe HP im 4. Quartal 2025 seinen Marktanteil im PC-Markt im Commercial- wie im Consumer-Segment sogar steigern können.

Erfreulich schlage sich auch das Print-Geschäft des Herstellers. Der Printing-Markt und die Hardware-Verkaufszahlen seien nicht so stark rückläufig, wie erwartet. HPs Priorität liege hier auf den Tank-Produkten, die von den Kunden zunehmend akzeptiert würden. Und auch in diesem Segment gewinne HP laut Husemann im Consumer- wie Commercial-Markt Marktanteile - auch dank seines starken Partner-Netzwerks.

Gerade in der aktuell schwierigen Marktsituation bei PCs sei Printing für HP eine wichtige Säule im Portfolio, zusammen mit Collaboration, Peripherie und der “Workforce Experience-Plattform” (WXP) zur Verwaltung der Geräte.

Mehrsäulen-Strategie zahlt sich aus

“Wir sind Workplace-Anbieter”, betont Husemann. Jetzt zahle es sich aus, dass HP das Geschäft auch durch einige Akquisitionen breiter aufgestellt habe. Vor allem der Collaboration-Bereich, der durch den Kauf von Poly vor vier Jahren dazugewonnen wurde, sei jetzt voll integriert .

Immer mehr Kunden möchten gerne alles aus einer Hands, bestätigt auch Wunram: “Collaboration war nicht unser Steckenpferd. Es wird für Kunden aber immer wichtiger, Collboration wie Printing Stück für Stück in die IT zu integrieren. Die Kunden wollen eine einheitliche Plattform und einen Ansprechpartner.” So habe Sandata im letzten Jahr zwei große Projekte gewonnen, um Meetingräume auszustatten.