Was in einem Rechenzentrum möglichst selten verändert werden sollte, sind die Verteilerschränke und die Verkabelung. Das Equipment, das in die Schränke kommt, die verteilte Stromversorgung und die Kühlungsanforderungen dagegen ändern sich häufig. Die Schränke sollten eine Tiefe von mindestens 1200 mm besitzen, um größere Geräte aufnehmen zu können. Die Standardbreite von 600 mm ist für die Geräte ausreichend, die Kabelführung wird bei höheren Packungsdichten jedoch schwieriger. Der Trend geht dahin, breitere Schränke zu verwenden und diese gleichzeitig für die Aufnahme der Patchfelder und zur geordneten Kabelführung zu nutzen, möglichst entfernt von der Zu- und Abluftführung der Aktivkomponenten. Bei Switch-Schränken ist es am günstigsten, alle Switchports zu den entsprechenden Patchfeldern vorzuverkabeln, so dass der Switch bestückt bleibt und die Verkabelung von den Lüftermodulen und Überwachungsmodulen wegführt.
Sowohl der TIA-942-Standard, der jetzige TIA-942A-Entwurf, als auch der ISO-24764-Standard treffen eine klare Aussage: Die Verkabelung sollte so verlegt werden, dass sie Reserven für künftiges Wachstum bietet und auf diese Bereiche nicht allzuoft durch Umzüge, Erweiterungen, Veränderungen (MACs) zugegriffen werden muss. Nur so behält man die volle Kontrolle über die Kabelführung.
Überfüllte Kabeltrassen oberhalb der Schränke können zu einem Sicherheitsproblem werden. Zu viele Kabel im Doppelboden behindern die Luftzirkulation. Aus diesem Grund und um zu verhindern, dass es zu Performanceeinbußen kommt, sollten Altkabel unbedingt entfernt werden. Rechenzentren, die Probleme mit der Verkabelung haben, sind typischerweise solche, die aus der Not heraus gewachsen sind, statt mit sorgfältiger Planung und in der Vergangenheit vorwiegend eine Punkt-zu-Punkt-Verkabelung genutzt haben.
Die Entscheidung für Kupfer oder Glasfaser sollte nicht an einer einzelnen Komponente festgemacht werden, sondern vordergründig eine Frage maximaler
Flexibilität sein. Von den Standards empfohlen wird im Minimum eine Kat.-6A-Verkabelung, wobei eine Reihe definitiver Vorteile für hochwertigere Kat.-7A /Klasse-FA-Systeme spricht. Die Fähigkeit der Autonegotiation zwischen 1 GBit/s und 10 GBit/s bei 10GBaseT bietet die Gewähr für eine längere Nutzungsdauer der Systeme, ohne beim Übergang auf eine höhere Übertragungsrate die Komponenten austauschen zu müssen, wie es bei glasfaserbasierten Systemen der Fall ist.
Die im Rechenzentrum verwendeten Glasfaserkabel sind in der Mehrzahl OM3-Fasern. Eine neue OM4-Faser ist entwickelt worden, um die unterstützte Channel-Länge zu vergrößern. Mit OM3 werden 100 m bei 40/100-GBit/s-Ethernet überbrückt, während die Übertragungsdistanz bei OM4 150 m beträgt. Zu beachten ist, dass dies in Form von Trunkkabeln aus mehreren Glasfasern erfolgt. Die einzige 2-fasrige 40/100-GBit/s- Ethernet-Übertragung wird über zwei Singlemode-Fasern realisiert. Der kritischste Aspekt auf der Glasfaserseite besteht darin, die Polarität in allen Faserbündeln exakt zu bestimmen, begründet durch den Fakt, dass es sich bei 40/100-GBit/s-Ethernet um Mehrfaser-Applikationen handelt. Für 40-GBit/s- Ethernet werden acht Fasern verwendet, und für 100-GBit/s-Ethernet werden 20 Fasern in einem einzigen Kabelbündel zusammengefasst, was zugleich bedeutet, dass im Datacenter mehr Trunks verlegt werden müssen als normalerweise bei 2-Faser-Applikationen (wie für 10GBaseSR/SX) benötigt werden.
In der Zwischenzeit – während die Hersteller noch auf energieeffizientere Chips für 10GBaseT gewartet haben – wurden Top-of-Rack- (ToR-) Switche eingeführt. Diese nutzen typischerweise SFP+-Punkt-zu-Punkt-Geräteanschlusskabel von 1, 3 beziehungsweise 5 m Länge. Auf Grund der kurzen Übertragungslänge erhöht sich meist die Anzahl der benötigten Switche. Vernünftigerweise sollten ToR-Switche nur da verwendet werden, wo es Sinn macht und es möglich ist eine Überbuchung von Ports zu managen. Durch die Nutzung von Patchbereichen und 10GBaseT mit 100 m Channel-Länge in einer „Any-to-all-”Herangehensweise hat sich die Portnutzung bei Switchports weitestgehend erhöht, da die Verkabelung verschiedene Stellmöglichkeiten zum Anschluss der Hardware zulässt. Überbuchte Ports in ToR-Switchen verbrauchen ebenfalls Strom, und die fortwährende Mitversorgung ungenutzter Ports (die auf Grund der Limits für Stromverbrauch bei den Schränken und der begrenzten unterstützten Reichweite der Kabel nicht benutzt werden können), sind einfach unnötige Ausgaben, die es zu vermeiden gilt.