Java-Applikationen sind komplex
Die IT-Abteilung hatte auf Basis der Java 2 Enterprise Edition (J2EE) eine neue Anwendung für seine E-Commerce-Plattform entwickelt, um der zunehmenden Nachfrage auf dem Online-Portal gerecht zu werden. Seit 1995 hatten sich die Zugriffe jährlich nahezu verdoppelt - Belastungsspitzen wie der saisonale Einkaufsrummel zu Ostern oder Weihnachten mit zwei- bis dreimal so vielen Besuchern sorgten zudem für Handlungsbedarf. Otto setzte die neue Anwendung auf eine Kombination aus Enfinity Multi Site des Anbieters Intershop und einen E-Commerce-Applikationskern namens Pyramid auf, den das Unternehmen mit externen Beratern entwickelt hatte.
Bevor die Applikation allerdings für den täglichen Betrieb live geschaltet werden konnte, unterzog die IT-Abteilung sie verschiedenen Belastungstests: Wie würde die Anwendung reagieren, wenn gleichzeitig viele User unterschiedliche Transaktionen anforderten? Bei dieser Simulation ging es vor allem um Parameter wie Verfügbarkeit und Reaktionsgeschwindigkeit auf Anfragen. Um diese Tests zu steuern und Daten zu sammeln, die später Aufschluss über die Leistungsfähigkeit der Applikation geben würden, setzte die IT-Abteilung ein selbst entwickeltes System ein, das dem Unternehmen lange Zeit gute Dienste erwiesen hatte. Allerdings verwies die Komplexität der neuen J2EE-Entwicklung das Management-Werkzeug in seine Schranken: Obwohl das Tool die Performance der Lösung an verschiedenen Punkten zuverlässig anzeigte, blieben blinde Flecken zurück. Ein Fehler in einem schwer überprüfbaren Teil einer Applikation könnte gravierende Folgen für das Unternehmen haben: Je länger es dauert, einen Fehler aufzuspüren und zu beseitigen, umso schlechter ist dies für den Umsatz. Untersuchungen zeigen, dass Kunden schnell aufgeben, wenn die Website nicht verfügbar ist: Bricht eine Bestellung mitten im Vorgang ab, versuchen es die Kunden meistens nicht noch einmal.
Daneben wollte sich der Versandhändler vergewissern, dass auch im internen Bestell- und Warenwirtschaftssystem alles am Schnürchen lief. In die SAP-basierte Lösung gehen nicht nur die Online-Bestellungen ein, sondern auch die Anfragen per Telefon und Fax. Die IT-Abteilung machte sich daher auf die Suche nach einem Monitoring- und Management-Tool, das diese Anwendungen, die intern unter dem Namen New Otto Application (NOA) bekannt sind, in allen Bereichen transparent machen würde. Ziel war, eventuell auftretende Fehler schnell entdecken und ausmerzen zu können, bevor sie Schaden anrichten.
Messfühler stecken in der Applikation
Otto zog drei Produkte für das Enterprise Application Management in die engere Wahl. Das Unternehmen arbeitet mit Weblogic von BEA als Applikationsserver und erhielt von den Beratern dieses Herstellers die Empfehlung, sich mit der Software Introscope von Wily zu beschäftigen. Die Programme machen die Interaktion zwischen den Komponenten der zu überprüfenden Java-Anwendung im Netzwerk sichtbar und visualisieren diese Informationen. Hierbei kann der Anwender selbst bestimmen, ob er lieber mit einem Ampelsystem arbeitet, das auf Rot springt, wenn sich ein Fehler anbahnt, oder mit einem Explorer-Tree für den Java-Fachmann. Der entscheidende Unterschied zum Wettbewerb ist die Messtechnik von Introscope, die mit Agenten auf Bytecode-Ebene der Java Virtual Machine (JVM) beständig alle tatsächlichen Funktionen und die Verbindung zu den angeschlossenen Backend-Systemen überprüft, anstatt die Response-Zeit auf synthetische Anfragen zu untersuchen. Weil die Messfühler in der Applikation selbst sitzen, wird die Anwendung durch die Monitoring-Software kaum zusätzlich belastet. Als weiterer Pluspunkt gilt die äußerst kurze Im-plementierungszeit: Die Software ist binnen we-niger Tage auf die jeweiligen Bedingungen zugeschnitten und einsatzbereit.
Wily erhielt die Chance, die Funktionalität von Introscope un-ter Beweis zu stellen: Für einen Proof of Concept installierte ein Consultant des Softwareherstellers mit Systemadministratoren des Anwenders das Produkt innerhalb eines halben Tages. Da die zu überwachende E-Commerce-Applikation eine komplexe Weblogic-Architektur hat, die unzählige Subsysteme mit Zugriff auf Datenbanken anspricht, empfahl sich eine Lösung mit mehreren Introscope-Modulen. Dazu kombinierte der Application-Management-Experte das Introscope Solution Pack mit dem Transaction Tracer, einem Werkzeug, um einzelne Transaktionen in Realzeit gezielt verfolgen und sie in Beziehung zur Gesamt-Performance setzen zu können, und mit einem Zusatzmodul für den Applikationsserver von BEA. In einigen zusätzlichen Arbeitsstunden nahm der Hersteller dann individuelle Anpassungen vor. Dazu gehörte etwa, Introscope so zu konfigurieren, dass es auch die vom Anwender selbst entwickelten Applikationen kontrollieren kann. Schließlich führten die Wily-Leute die Otto-Administratoren in das Produkt ein, bevor es beim ersten Lasttest die Feuerprobe bestehen musste: Verlässlich konnte Introscope anzeigen, wo genau die E-Commerce-Applikation hakte, sobald sich die Belastung durch viele gleichzeitige Transaktionen erhöhte. Der unmittelbare Treffer bei der Fehlersuche beeindruckte Otto: Nach der Testphase läuft Introscope seit Februar dieses Jahres offiziell als Monitoring- und Management-Tool für die gesamte NOA-Architektur.
Niedrigeres Ausfallrisiko bringt mehr Umsatz
Erstklassiger Support und rasche Problembeseitigung - so fasst Otto die Zusammenarbeit mit Wily zusammen. Das Ergebnis: Die Zeit, in der Fehler in den Anwendungen aufgespürt werden können, hat sich wesentlich verringert. Das schlägt sich unmittelbar in der hohen Benutzerfreundlichkeit und Qualität des Services nieder, die sich Otto auf die Fahnen heftet. Und obwohl quantitative Analysen bisher nicht abgeschlossen wurden, ist man sich bei dem Handelsunternehmen sicher: Die gezielte Überwachung von NOA verringert das Ausfallrisiko und ermöglicht damit einen ununterbrochenen Umsatzstrom - eine grundlegende Voraussetzung für weiteres Wachstum.