Es ist vielleicht kein Anfang vom Ende klassischer Tageszeitungen, die ihr starkes Standbein bei Stellenanzeigen bereits endgültig verloren haben und nun der wachsenden Konkurrenz der Informationskanäle mit noch mehr journalistisch anspruchsvollen Inhalten zu begegnen versuchen. Der schleichende Wandel in der Medienbranche wird ein gutes Stück weit auch von Plattformen wie Linkedin getrieben. Ein kleines Redaktionsteam beim Karrierenetzwerk produziert und kuratiert meist Technologie-Content. Die allermeisten Inhalte stammen von den Mitgliedern und Sozial-Media- und PR-Managern von Unternehmen, die sich dort potenziellen Talenten und nicht zuletzt Journalisten präsentieren wollen. Die Disruption solcher Digitalkonzerne besteht eben darin, die eigene Relevanz mit Content Dritter zu erhöhen. Das ist bei Linkedin, Google, Facebook nicht anders als bei Maklerplattformen wie Uber oder Immobilienscout24.
Bei letzterem Unternehmen konnte Wittmann ihr Know-how in digitalen B2B-Geschäftsmodellen vertiefen. Als Linkedin anklopfte – die Anfrage kam übrigens über Linkedin –, hat sie nicht lange gezögert. Es habe vieles übereingestimmt mit ihren beruflichen Zielen, die sie sich – immer noch Fan von Listen – handschriftlich auf Papier notiert hatte. »Das ist der Job, den du immer haben wolltest«, erkannte Wittmann: »Für mich ist ein Traumjob in Erfüllung gegangen«. Das Pendeln zwischen ihrem Wohnsitz in Halle und München nimmt die Mutter eines 14-jährigen Sohnes für »das spannendste Unternehmen der Welt« in Kauf. Ihr Mann stärkt ihr den Rücken, wenn sie in München oder unterwegs ist. »Man kann in den drei Stunden im Zug prima arbeiten«, sagt sie.
Man glaubt zu ahnen, dass nicht einmal die notorisch unpünktliche Deutsche Bahn Wittmanns ansteckende Begeisterungsfähigkeit stoppen kann. »Mich fasziniert unsere Mission, weltweit Fach- und Führungskräfte zu vernetzen, um diese produktiver und erfolgreicher zu machen.«