G Data CyberDefense setzt auf Channel, XDR-Plattform und Datensouveränität
Abhängigkeiten von internationalen IT-Anbietern, geopolitische Risiken und neue Regulierungen verändern den Security-Markt. G Data CyberDefense reagiert mit Partner-Relaunch, Plattformstrategie und klarer Haltung zur digitalen Souveränität.
Digitale Souveränität ist für viele Unternehmen längst keine politische Debatte mehr, sondern eine Managemententscheidung mit wirtschaftlichen Folgen. Spätestens seit geopolitische Spannungen, extraterritoriale Gesetzgebungen und neue regulatorische Anforderungen wie NIS2 oder der Cyber Resilience Act zusammenwirken, bewerten Unternehmen ihre IT-Abhängigkeiten neu. Studien wie der Bitkom-Report „Digitale Souveränität“, der BSI-Lagebericht oder Erhebungen von Eco und PwC zeigen übereinstimmend: Kontrolle über Daten, Transparenz über Lieferketten und Vertrauen in Anbieter werden zu harten Auswahlkriterien – insbesondere im Mittelstand und im Public Sector.
In dieses Umfeld fällt die strategische Positionierung von G Data CyberDefense (Eigenschreibweise „G DATA CyberDefense“). Der Bochumer Anbieter entwickelt seit rund 40 Jahren Sicherheitssoftware in Deutschland, betreibt eigene Rechenzentren und hält zahlreiche Softwarepatente. „Meine Daten bleiben in Deutschland“ ist dort kein kurzfristiger Marketingclaim, sondern seit Jahren gelebter Anspruch. „Diese Message ist heute mehr en vogue denn je“, sagt Nikolas Schran, seit Oktober Vice President Sales & Marketing.
Er verweist darauf, dass Unsicherheit im Markt nicht von den Anwendern selbst erzeugt werde. „Sobald diese Unsicherheit da ist – und die ist aktuell real –, brauchen Kunden eine Antwort.“ Für Schran ist das kein theoretisches Szenario, sondern tägliche Realität in Gesprächen mit Partnern und Kunden. Für viele Organisationen bedeute das, Sicherheitsentscheidungen nicht mehr allein nach Feature-Listen oder Preismodellen zu treffen, sondern nach Fragen von Vertrauen, Verlässlichkeit und rechtlicher Kontrolle.
Channel First als Konsequenz – nicht als Vertriebsmodell
Trotz wachsender Sichtbarkeit beim Endkunden bleibt G Data CyberDefense klar channelgetrieben. Rund 5.200 Partner bilden das Fundament der Marktbearbeitung. Für Schran ist das weniger Strategie als logische Folge einer simplen Frage:
„Wer kennt den Kunden am besten? Das ist immer der Partner.“
Entsprechend versteht er Vertrieb, Marketing und PR nicht als getrennte Disziplinen, sondern als eine gemeinsame Go-to-Market-Organisation. Diese Einheit sei das Gesicht des Unternehmens nach außen und müsse sowohl Lob als auch Kritik aufnehmen. „Das hier ist keine Niko-Show“, betont Schran – und meint damit nicht Bescheidenheit, sondern Verantwortung für den Kunden. Nähe, Dialog und Erreichbarkeit seien essenziell. Dass Partner im Programm seine Handynummer finden können, ist bewusstes Signal: Feedback soll nicht gefiltert, sondern direkt adressiert werden.
Diese Haltung speist sich auch aus Schrans internationalen Erfahrungen. Stationen bei US-amerikanischen Anbietern hätten ihm gezeigt, wie konsequent Kundenorientierung gelebt werden kann. „20 Prozent der Zeit zuhören und 80 Prozent darauf verwenden, echte Probleme zu lösen. Das hat mich nachhaltig geprägt.“ Dieses Prinzip will er nun stärker in der Zusammenarbeit mit Partnern und in der internen Kultur verankern.
Relaunch des Partnerprogramms: Antwort auf einen veränderten Markt
Ein zentrales Vorhaben für 2026 ist der umfassende Relaunch des Partnerprogramms, der bis Ende des ersten Quartals abgeschlossen sein soll. Das bisherige Modell stammt aus einer Phase, in der klassische Endpoint Protection dominierte. Heute prägen XDR, Managed Services und SOC-Modelle den Markt. Viele Partner stehen unter massivem Margen- und Personaldruck – und erwarten von Herstellern mehr als Produktupdates. „Der Bedarf hat sich total verändert. Das Partnerprogramm von damals kann dem heute nicht mehr gerecht werden“, sagt Schran.
Künftig soll klar definiert sein, wer welche Rollen übernimmt: vom Reseller bis zum MSSP mit eigener Service-Tiefe. Dabei geht es ausdrücklich nicht nur um Margen. „Wenn es nur darum ginge, könnten wir das auf einem Onepager lösen“, so Schran. Entscheidender seien Fragen nach Service Leveln, Zusammenarbeit, Schulung und Enablement.
„Channel First ist bei uns keine Folie – es ist die Antwort auf reale Kundenbedürfnisse.“
Gerade vor dem Hintergrund von Fachkräftemangel und Margendruck rückt Weiterbildung stärker in den Fokus. Die G Data Academy soll Partner befähigen, eigene Analysten, Consultants oder Service-Teams aufzubauen und weiterzuentwickeln. „Die Frage aus dem Channel ist nicht: Wie viel Prozent bekomme ich? Sondern: Wie kriegen wir unsere Kunden gemeinsam sicher?“ Genau darauf zielt das neue Programm ab.
Plattformisierung und KI: Sicherheit verständlich gemacht
Parallel zur Partnerstrategie treibt G Data CyberDefense die technologische Konsolidierung voran. Im Juni startet eine neue XDR-Plattform, die bestehende Endpoint-Lösungen ergänzt und perspektivisch B2B- sowie B2C-Welten zusammenführt. Ziel ist eine zentrale Plattform, über die Partner alle Kunden, Sicherheitsereignisse und eingesetzten Produkte verwalten können.
„Wir bedienen keine Enterprise-Konzerne mit großen SOC-Teams“, sagt Schran. Viele Kunden hätten kleine IT-Teams oder gar keinen dedizierten Administrator. Entsprechend müsse Security verständlich, visuell und handhabbar sein. Grafische Darstellungen von Angriffspfaden, KI-gestützte Automatisierung und klare Handlungsempfehlungen sollen Komplexität reduzieren. Ziel ist es, Komplexität aus dem Alltag der IT-Teams zu nehmen – nicht, sie weiter zu erhöhen.
KI spielt dabei eine doppelte Rolle: als Detection- und Automatisierungswerkzeug in der Security – und als Produktivitäts- sowie Internationalisierungshebel. Mehrsprachige Oberflächen, schnellere Skalierung und vereinfachte Administration sollen G Data CyberDefense helfen, auch außerhalb des deutschen Marktes zu wachsen, ohne die eigenen Werte zu verwässern.
Public Sector und Mittelstand: Zielbranchen mit besonderem Anspruch
Besonders großes Potenzial sieht G Data CyberDefense im Public Sector: von Bildung über Verwaltung bis Gesundheitswesen. Hier treffen hohe Schutzbedarfe auf knappe Budgets und komplexe Entscheidungsstrukturen. „Mit sehr überschaubaren Mitteln muss verdammt viel erreicht werden“, sagt Schran. Investitionen seien langfristig, Wechselkosten hoch. Entsprechend sorgfältig würden Entscheidungen getroffen.
Gerade hier spiele digitale Souveränität ihre Stärke aus. Transparenz über Datenhaltung, Entwicklung und Verantwortlichkeiten schaffe Vertrauen. Voraussetzung sei jedoch die Zusammenarbeit mit spezialisierten Partnern, die die Anforderungen öffentlicher Auftraggeber kennen und vor Ort verankert sind. Auch hier schließt sich der Kreis zur Partner- und Enablement-Strategie.